Wann ist ein Team ein Team?

Grönemeyer will wissen, wann ein Mann ein Mann ist, Führungskräfte wüßten häufig gern, wann ein Team ein Team ist. Eine kleine Übersicht über Gruppenformen.

„Wir wollen und müssen endlich ein gutes Team werden.“ Ein klassischer Einstiegssatz bei der Auftragsklärung für Teamentwicklungen.
Woran denn zu messen sei, dass dies gelungen ist, frage ich dann gern.
Und höre dann entweder die Beschreibung der eierlegenden Wollmilchsau als Gruppenkonstrukt oder bunte Mischungen aus den Merkmalen typischer Gruppenformen.

Nicht jede Gruppe ist ein Team.
Projektteams sind z. B. in vielen Unternehmen besetzt mit Fachleuten aus unterschiedlichen Abteilungen, die zwar an einem gemeinsamen Auftrag arbeiten, dies jedoch zumeist recht isoliert voneinander. Da jeder Fachmann selbst am besten weiß, wo er wie und wann seine Expertise am besten einbringt, erlebe ich in der Praxis zumeist Projektarbeit bildlich gesprochen als Zusammenschluss diverser Inseln auf Zeit zu einer Inselgruppe. Klassische Themen solcher Inselgruppen sind dann Diskussionen über Hol- und Bringschuld oder mangelhafte Kommunikation / Information oder fehlende Identifikation. Die meisten Projektgruppen entsprechen eben eher einem Haufen.

Wenn das Büro mal brennen sollte, wäre ich froh, wenn bei der Feuerwehr nicht erst ausdiskutiert wird, wer heute fahren darf, wer den Schlauch hält und wer den Einsatz leitet.
Strukturen der Gruppenform Truppe helfen in solchen Situationen, erfolgreich Arbeitsaufträge zu erledigen. Disziplin, Ordnung und Rationalität sind wichtige Grundpfeiler dieser Gruppenformen.
Und es gibt nicht wenige Führungskräfte, die sich dies heimlich oder auch offen ausgesprochen für sich wünschen. Dann ist nämlich auch klar, wer die Kontrolle hat wink

Gemeinschaften schätzen wir v. a. im privaten Umfeld; Zugehörigkeit, Wärme, Solidarität sind Grundzutaten, die uns das Gefühl von Aufgehoben-Sein oder Dazugehörigkeit vermitteln.
Ich erinnere mich noch an meine ersten Tage als Bewährungshelfer; die Gruppe meiner damaligen Dienststelle erschien mir wie eine alte Familie, seit Jahren miteinander verbandelt, mit fest verteilten Rollen, nicht mehr angerührten Konflikten und einer maximalen Skepsis gegenüber Neuen. Zugehörigkeit hatte man sich zunächst zu erarbeiten; kein Wunder, dass meine Vorgängerin und nicht ich Frischling zur Weihnachtsfeier eingeladen wurde…

Und was sind nun Teams?
 Überall wird auf Teamwork gesetzt. Jede Gruppe wird zum Team deklariert. Doch selten gelingt Zusammenarbeit reibungsfrei. Und selten ist Gruppe auch wirklich Team.

Man könnte nun Attribute / Werte dieser Gruppenform aufzählen wie Kreativität, Flexibilität, Vertrauen, menschliche Nähe etc.
In aller erster Linie benötigt eine Gruppe, um zum Team zu werden, zunächst einmal ein gemeinsames Ziel. 
 Wer wollen wir zu welchem Zweck sein? lautet die zentrale Frage.
 Neben dem Ziel benötigt ein Team jedoch auch eine Verständigung und Auseinandersetzung mit dem Wie der Zielerreichung. Eine Gruppe hat ihr Ziel und den Weg dorthin in einem „FreudeFörderVertrag“ fixiert. Zentrale Punkte sind dabei:

  • Ein jeder ist für sich selbst und für den Erfolg der Gruppe verantwortlich. Autonomie ist verpflichtend und steht zugleich im Spannungsverhältnis zur Interdependenz.
  • Jedes Teammitglied ist sich der Rollen des Lernenden und des Coaches im Miteinander bewusst.
  • Feedback unterliegt bestimmten Kommunikationsregeln.
  • Wertschätzung und Respekt sind das Fundament gelungener Zusammenarbeit.
  • Selbstverantwortung betrifft auch den Umgang mit eher ruhigen Teilnehmern.
  • Der Teamerfolg lebt von klaren Entscheidungen zu Zielen und Prozessen.
  • Gemeinsames und individuelles Wachstum entsteht aus der Bereitschaft, die Komfortzone zu verlassen.

Für derartige Regeln des Miteinanders gab es eine erste Arbeitsphase, eine bewusste Bilanzphase und eine anschließende Umsetzungsphase. Vertrauen wurde nicht herbeigeredet, sondern entwickelt, geschenkt, belastet. Respekt und Wertschätzung waren Basis, um sich zu öffnen, selbst zu reflektieren, Entscheidungen zu treffen und um zu wachsen.
Das Erleben dieses Teams ist in seiner Komplexität und Vielfältigkeit an dieser Stelle nur punktuell zu beschreiben. Dennoch spürten alle, dass dies eine nahezu einmalige Erfahrung des Miteinanders ist.

Komisch, eigentlich wünschen wir uns dies alle im beruflichen Alltag und doch erleben wir es so selten. Einzelinteressen, Systeminteressen, unklare / misslungene Kommunikation, ungeklärte Konflikte usw. belasten die Zusammenarbeit von Menschen, ziehen Energien und verhindern, dass das Ganze mehr sein kann als die Summe der Einzelteile.

Die Entwicklung einer Gruppe hin zum Team erfolgt nicht an einem Tag. Sie ist vielmehr ein Prozess.