Doppelbotschaften

Doppelbotschaften bringen Menschen in Kommunikation in schwierige Situationen. Sie müssen entscheiden, welcher Botschaft sie denn nun vertrauen.
Das wirft Schwierigkeiten auf.

Wasch mich, aber mach mich nicht nass. Das ist eine klassische Doppelbotschaft, die Coaches und Beratern begegnet.
Du bist als Mensch wichtig und jetzt tu, was ich von dir will. Das erleben Menschen mitunter in Unternehmen. Sie beschreiben Bilder von Wasser predigenden Führungskräften, die selbst Wein trinken.

Wie vergiftend Doppelbotschaften auf Zusammenarbeit und Motivation wirken (können), ist rasch erklärt.
Wer sich nicht sicher ist, was denn nun wirklich gemeint ist, wartet entweder erst einmal ab oder aktiviert seine bisherigen (leidvollen) Erfahrungen.
Daraus entsteht selten Aktionsenergie.

Dies ist einer der Gründe, warum Führungskräfte in Veränderungssituationen besondere Leuchtturmfunktion innehaben. Sie dienen als Vorbild, was zukünftig wirklich gemeint und gewollt ist.
Jeder Rückfall in früheres Verhalten, jedes unreflektierte Durchgehen-Lassen wird vom Umfeld gleich als brüchige Überzeugung, Doppelzüngigkeit oder fehlenden echten Veränderungswillen übersetzt.
Und dient damit als Alibi für eigene Nicht-Veränderung.

Mit gutem Beispiel seinen eigenen Worten zu folgen, ist also wichtige Führungsaufgabe und damit Teil der Selbstführung.
Sichtbar wird damit, dass Doppelbotschaften in dem Unterschied aus Reden und Tun entstehen. Beides ist Kommunikation.
Wobei das Tun größere Bedeutung in der Wahrnehmung hat. Wer beispielsweise als Führungskraft auch am Wochenende und in den Abendstunden Mails verschickt, signalisiert zugleich, was er an Einsatz und Verfügbarkeit seines Teams verlangt.

Und auch im direkten Kommunikationsprozess selbst können Doppelbotschaften entstehen, indem die innere emotionale Botschaft nicht mit der geäußerten übereinstimmen. In der Psychologie vermutet man übrigens, dass dauerhafte double-binds die Entwicklung schizophrener Störungen begünstigt.
Im einfachsten Fall stimmen die Sachbotschaften einfach nicht überein wie in folgendem Beispiel. Das hat dann wenigstens Unterhaltungswert.

Schwieriger wird es, wenn beispielsweise ein Termin zur Rücksprache oder Leistungsbeurteilung angesetzt wird (Botschaft:“Es geht um dich und deine Leistung/Anstrengung.“) und dann jeder Telefonanruf angenommen oder parallel auf dem Handy gespielt wird (Botschaft: „Geh endlich, hier gibt es Wichtigeres als dich.“).
Das wirkt zwischenmenschlich giftig. Derartige Situationen erleben wir Menschen als unfair und das aktiviert umgehend sozialen Ekel.
Ebenso giftig wirkt das Beispiel auf das Vertrauen. Bin ich hier wirklich gewollt? Darf ich mich sicher fühlen? Bin ich wichtig genug?
Beginnt der Mensch zu zweifeln, mag das den ein oder anderen zu mehr Leistung anspornen. Unsicherheit führt jedoch üblicherweise eher zu Leistungsverlust oder mindestens zu nicht aktivierten Potenzialen.

Überhaupt nicht verwunderlich sind Gesprächssituationen, die ohne klares oder mit ungewünschtem Ergebnis enden.
Eigentlich wollte ich jemanden kritisieren oder eine eigene Forderung durchsetzen und zugleich spielte da jemand im inneren Team verrückt: „Das geht nicht. Das darfst du nicht. Halt dich zurück.“
Und schon passt der äußere Ausdruck nicht mehr zum inneren Bild.
Unser Gegenüber nimmt uns dann die getätigte Äußerung nicht ab, die intuitive nonverbale Botschaft wirkt stärker als das gesprochene Wort (das ja bestenfalls 10% unserer Kommunikation ausmacht). Und am Ende habe ich mich auf einen Kompromiss eingelassen oder einen Maulkorb getragen, der mich fürchterlich ärgert - da war doch was anderes geplant.

Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Geschehnissen beispielsweise in Zielvereinbarungsgesprächen sind hier kein Zufall. Im Gegenteil, scheinen sich Führungskräfte durchaus daran aufzureiben, hinter Zielerreichungen herzusteuern und -laufen statt noch einmal zu prüfen, ob das Ziel wirklich vereinbart war oder nur aus sozialer Erwünschtheit zugestimmt wurde.

Daher hilft es, vor wichtigen Gesprächen in sich zu gehen:

  • Was will ich wirklich?
  • Was ist mein Mindest- und mein Maximalziel im Gespräch?
  • Was wird mein Gegenüber wollen?
Was kann ich bieten, ohne dass es mich viel kostet?
  • Was kann ich fordern, ohne dass es mein Gegenüber viel kostet?
  • Wie geht es mir mit dem Gegenüber, der Situation, dem Gesprächsinhalt? Was ist mein Gefühl?

Gerade das Gefühl wird sich zeigen.
Wir können es nicht abstellen.
Wir können uns ablenken und auf Gegensignale achten (bleiben die aber aus, verstärkt sich das Gefühl). Oder wir sprechen es einfach in Klarheit aus.
Ist ein Gespräch unangenehm, belastend, macht es mich nervös, dann kann die Aussage zu Beginn bereits Klarheit für alle Beteiligten bringen: „Das ist kein leichtes Gesprächsthema. Mir ist ein gutes Ergebnis wichtig und daher bin ich gut vorbereitet und nervös, ob es uns gelingt, konstruktiv zu diskutieren. Meinen Beitrag will ich dazu leisten, bitte geben Sie mir Signale, wenn Sie das anders erleben.“

Damit ist zugleich eingeladen, in Resonanz zu gehen.
Und zwar offen.
Denn im Grunde tun wir das ohnehin stetig, allerdings intuitiv.
Bewusstheit ermöglicht Klarheit und Klarheit ermöglicht Klärung.