Wozu es Unternehmen gibt
Lange Zeit dachte ich, Sozialromantiker zu sein. Es müsse doch noch mehr Sinn und Zweck hinter unternehmerischem Handeln geben, als einzig und allein der Gewinnmaximierung nachzulaufen. Bestenfalls war ja noch die Schaffung von Arbeitsplätzen eine ethische Rechtfertigung hierfür.
Viele Diskussionen mit Unternehmern, Kunden und Beschäftigten später bin ich mir sicher, dass wirklich erfolgreiche Unternehmen eben nicht die kurzfristige Gewinnmaximierung in den Fokus stellen. Wirkliche Größe (die nicht immer gleichbedeutend ist mit wirtschaftlicher Größe) entsteht vielmehr aus Loyalität zum Grundgedanken, dass Unternehmen einen Nutzen für Kunden zu stiften haben.
Es gibt Wertevorstellungen (u. a. mit Begrifflichkeiten wie Verantwortungsbewusstsein, nachhaltigkeit etc.), die auf das Mittelalter zurückgehen und im Leitbild des ehrbaren Kaufmanns zusammengefasst sind. Dessen Verantwortung adressiert mehrere Ebenen. Besonders treffend ist jedoch folgendes Zitat:
»Gewinn ist notwendig wie die Luft zum Atmen, aber es wäre schlimm, wenn wir nur wirtschaften würden, um Gewinn zu machen, wie es schlimm wäre, wenn wir nur leben würden, um zu atmen.«
Um was geht es aber dann tatsächlich, wenn eben nicht mehr um den Gewinn?
Unternehmen dienen einem anderen Zweck: Nutzen für seine Kunden zu stiften. Klingt einfach und logisch, aber wie oft erleben wir, dass es mehr um Produkt oder Unternehmen und weniger um uns als Kunden und unser Wohlgefühl geht?
Und dafür müssen sich Unternehmen bzw. die darin agierenden Menschen mit ihren Kunden (übrigens ebenfalls Menschen!) beschäftigen, ihnen zuhören, ihre Wünsche verstehen und ihnen dienen wollen. Dienstleistung klingt abgedroschen nach „Kunde ist König“. Nein, Dienstleistung heißt, sich von Angst, mangelnder Dankbarkeit oder Eigennutzstreben (Gier) zu verabschieden und den einfachen Fragen auf den Grund zu gehen:
- Welche Kunden/Menschen liebe ich?
- Was fehlt ihnen zum Wohlbefinden?
- Wie kann ich dazu beitragen, dass sich ihr Wohlbefinden steigert?
Daraus kann eine ganze Unternehmensstrategie werden (wenn ich als Unternehmer mutig bin und permanent an dieser Strategie arbeiten mag). Daraus kann jedoch auch erst einmal Haltung werden. Gelebte Loyalität bedeutet dann eben,
- Dankbarkeit zu zeigen
- aufrichtig zu sein
- verstehen zu wollen
- Verantwortung zu übernehmen
- zu vertrauen
usw.
Und daraus entsteht eine echte Existenzberechtigung für ein Unternehmen – was Kunden damit danken, sich auch für das Unternehmen zu engagieren ;-)
Verkaufen ist dann aber nicht mehr der Prozess „Wie bringe ich erfolgreich meine Produktvorzüge präsentiert und erziele dabei einen möglichst guten Geschäftsabschluss?“, sondern eher „Wie gestalte ich einen Dialog, indem ich herausfinde, ob ich einen echten Nutzen stiften kann?“
Wir alle wissen das Gefühl zu schätzen, dass sich jemand ernsthaft um unser Wohl bemüht hat, ernsthaft an unserer Meinung interessiert ist, aufrichtig sein Wissen/Angebot auf den Tisch legt und uns selbst die Entscheidungsverantwortung für oder gegen einen Kauf überlässt.
Dafür braucht es mehr als nur schlaue Beratersätze. Dazu benötige ich eine emotionale Auseinandersetzung mit meinen Werten und Ängsten. Danach ist echte Loyalität möglich. Aus eigener aktueller Erfahrung weiß ich auch, wie schwer das für den Kunden sein kann. Ich werde nicht manipuliert, sondern entscheide selbst. Und es kann ja auch manchmal ganz bequem sein, andere entscheiden zu lassen…. Davon lebt so mancher „Vertriebsprofi“, so manches gierige Unternehmen ganz gut ;-)
Wir unterstützen gern bei der Entwicklung ihrer ganz eigenen Loyalitätsstrategie und bei der Entwicklung zu einem „ehrbaren Unternehmen“.
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Autor
Stephan Stockhausen
Veröffentlicht
04. Juli 2011
Kategorien
Unternehmenskultur, Unternehmer
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