Weiche Faktoren - harte Fakten
Parallel zu diesem Blogbeitrag fallen gerade die DAX-Kurse ins Bodenlose. Wie ist das plötzlich zu erklären? Wochenlang geht es der Wirtschaft trotz staatlicher Schuldenberge gut, steigen Gewinne und Aktienkurse. Dann rennen sich die Politiker in Washington die Köpfe ein und plötzlich greift Panik um sich.
Allen ist klar: das ist Börsenpsychologie.
Dort wird es willfährig hingenommen, dass aus purer Psychologie eine Kettenreaktion wird, die möglicherweise eine neue Krise auslöst. Psychologie wäre natürlich auch, die Chance zu sehen, die fallende Kurse bieten und kräftig zu investieren. Das wäre optimistisch. Es regiert aber die Angst.
Angst ist es m. E. auch, wenn sich Führungskräfte gegen die vermeintliche Psychologisierung ihrer Arbeit wehren. Keine Chance. Führungsarbeit mit und für Menschen geht nicht ohne Auseinandersetzung mit dem Menschen. Mit sich beginnend und beim anderen endend. Das ist ein Berufswechsel, ja – und das macht Angst.
Denn die weichen Faktoren sind für diejenigen, deren Arbeitswelt bislang handfest, eindeutig oder rational-logisch war, irgendetwas zwischen Nebel, Pudding und Schlangengrube. Und zugleich gilt wie an der Börse: die Psychologie entscheidet über Erfolg, Produktivität, Fluktuation, Gewinn usw.
Und damit werden weiche Faktoren zu harten Fakten. Nehmen wir an, ein Unternehmen mit 100 Beschäftigten erzielt einen Jahresgewinn von einer Million Euro. Das macht je Beschäftigten einen Jahresgewinn von 10.000 €. Über einfache Fragen (z. B. Wie begeistert sind die Menschen, wenn sie montagsmorgens zur Arbeit kommen?) lässt sich ermitteln, wie zufrieden, loyal, engagiert Beschäftigte sind. Greife ich eine Zahl der Uni Duisburg-Essen auf, sind auf einer Skala von 1-10 Beschäftigte im Schnitt bei einem Wert von 6,8. Steigt diese Zahl um einen ganzen Punkt, steigt auch der Jahresgewinn des Unternehmens, mathematisch um 114.706 €, also um mehr als 10%. Selbstverständlich sind Systeme wie Unternehmen komplexer als eine reine mathematische Formel; gleichzeitig wirkt sich jede Arbeit an den sogenannten weichen Faktoren perspektivisch auch immer in harten Fakten aus: mehr Umsatz / Gewinn, mehr Kunden, zufriedenere Kunden, größere Innovationskraft, sinkende Fluktuation usw.
Ein starkes Argument dafür, sich seiner Angst vor der Psychologie des Menschen zu stellen und sich am eigenen Wachstum zu erfreuen. An der Börse gewinnen eben auch meist diejenigen, die gegen den Strom schwimmen.
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Autor
Stephan Stockhausen
Veröffentlicht
09. August 2011
Kategorien
Unternehmenskultur, Führung, Unternehmer
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