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Was wäre, wenn Weihnachten ausfiele?

Was wäre, wenn Weihnachten ausfiele?

Selbst die Weihnachtszeit erleben viele nur noch als Stress. Irgendwie will jeder noch etwas, Geschenke sind zu kaufen, Jahresabschlüsse zu erledigen – als ob das zurückliegende Jahr nicht schon genug Energie gekostet hätte. Warum Weihnachten dann nicht einfach ausfallen lassen?

Wer wundert sich nicht, „wo das Jahr eigentlich geblieben ist«?! Wir werden offenbar immer schneller und effizienter – weshalb dann nicht Weihnachten ausfallen lassen und einfach „durchziehen«?

Jenseits des Geschenketausches, der Verwandtenbesuche oder anderer Rituale entfiele damit eine wichtige Chance, die uns die Feiertage bieten.
Denn Weihnachten und die berühmten „Tage zwischen den Jahren« sind die Zeit, in der Innehalten und Ruhe sozial erlaubt sind. Hier wundert sich niemand, wenn Mails über mehrere Tage nicht beantwortet werden, Anrufe bei der Mailbox landen und Termine schlichtweg nicht möglich sind. Dies gibt vielen endlich die Entlastung, sich einmal nicht kümmern zu müssen. Mancher kennt vielleicht noch die Zeiten, in denen dies auch für Urlaube oder Krankheitsphasen galt – welche verlangsamte Steinzeit das gewesen sein muss.

Innehalten ist jedoch kein Selbstläufer. Wer über das Jahr hinweg in permanenter innerer Aufgeregtheit verbracht hat, ständig Handlungs- oder Zukunftsentscheidungen zu treffen hatte, legt den Schalter nicht einfach so um. Man kann natürlich auch die ruhigen Tage verplanen und sie in Geschäftigkeit aller Art begehen oder bereits die großen Planungen für 2010 beginnen.

Innere Ruhe erfordert Gelassenheit und Heiterkeit und eine innere Bereinigung in mehreren Schritten. Dies sind wichtige Hilfen, die zudem im Alltag in stressigen Situationen unterstützen, nicht in die archaischen Notfallprogramme umzuschalten, sondern abwägend und besonnen auch komplexe Entscheidungssituationen anzugehen.

Um den Schalter umzulegen, steht am Anfang das Loslassen. Dafür empfehlen sich Aktivitäten, die keine besondere Aufmerksamkeit fordern, die eigenen Sinne wecken oder einfach gänzlich anders sind als der Alltag. Das mögen ausgedehnte Spaziergänge, Saunabesuche, die eigene Weihnachtsbäckerei, das große Ausmisten, der lang aufgeschobene Roman oder, oder, oder sein. Als neue Aufgabe im Kalender funktionieren derartige „Abschalthilfen« allerdings nicht, sie entstehen am ehesten aus dem Impuls, dem Sich-Treiben-Lassen, dem Mal-wieder-Durchatmen (gerade mit Atemübungen lässt sich der angesammelte Stress sozusagen wegatmen).

Die Entschleunigung aus dem Alltag ermöglicht im nächsten Schritt auch das bewusste Bilanzieren: – Was aus dem zurückliegenden Jahr erfüllt mich mit Freude? – Was habe ich Neues an mir und für mich entdeckt? – Welche Momente bleiben in Erinnerung? – Welche Begegnungen haben mich inspiriert? – Worauf bin ich stolz? – Was hat mich nachdenklich gestimmt? – Welche Eindrücke, welche (un-)erledigte Vorhaben will ich im alten Jahr lassen? – Welche Grenzen habe ich entdeckt? – Welchen Titel, welche Schlagzeile erhält mein Jahr?

Mit einem bewussten Abschied des Jahres 2009 öffnet sich zudem die Bereitschaft, das neue Jahr ebenso bewusst zu begrüßen und sich obige Fragen zukunftsgerichtet zu stellen. Die Antworten können zugleich Inspiration und Kompass für das eigene Jahr 2010 sein. Wenn Weihnachten ausfiele, gäbe es hierfür gar nicht mehr die Möglichkeit. Ob man sie ergreift und nutzt, ist eine ganz persönliche Entscheidung.

Für die Feiertage wünsche ich gutes Loslassen, anregende Besinnlichkeit, entspanntes Kraftschöpfen und freudvolle Stunden.

Stephan Stockhausen

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Autor

Stephan Stockhausen

Veröffentlicht

17. Dezember 2009

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