Was Sie schon immer über Coaching wissen wollten
Coaching hat sich als Begriff in der Personalentwicklung in den vergangenen 10 Jahren etabliert. Zugleich wird der Begriff wenig einheitlich verstanden, so dass es vielfältige Erwartungen, Mythen und Befürchtungen bei Entscheidern und Betroffenen gibt, was Coaching ist, kann, soll und muss.
Was ist Coaching eigentlich?
Mit vielerlei Bildern lässt sich Coaching als Methode umschreiben. In erster Konsequenz ist es eine Haltung, aus der heraus Rolle und Methoden des Coaches erwachsen. Simpel formuliert ist es Coaching, wenn die Lösung von Ihnen kommt.
Gerne wird Coaching gleichgesetzt mit Expertenratschlägen, Fachanleitung, Training oder gar Couching (=Therapie). Dies alles sind andere Formen der Unterstützung und Entwicklung von Menschen im beruflichen Alltag. Coaching ist gestaltete Veränderungsarbeit, wobei Kernziel des Prozesses die Lösungs- und Handlungsfähigkeit des Anliegengebers ist.
Welche Defizite lassen sich mit Coaching „behandeln“?
Coaching ist noch immer vielfach damit belegt, Defizite aufzulösen. Hierzu passt die Benennung des Kunden als Klient oder Coachee. Somit wird er zum Empfänger der Dienstleistung, schlimmstenfalls zum Objekt. Coaching mit dem Ziel der Harmonisierung zwischen Person und beruflicher Rolle setzt vielmehr an den Kompetenzen des Gesprächspartners an. So kann die vermeintliche Unfähigkeit zur Delegation oder des Nein-Sagens mit der Überbetonung eines Verantwortlichkeitsgefühls oder des Bestrebens um Ergebnisqualität zusammenhängen. Hier gilt es, im Einzelfall Entwicklungsrichtungen zu identifizieren und in Verhalten zu übersetzen. Dabei benötigt der Kunde mehr als ein „Weg-von“, nämlich v. a. ein „Hin-zu“. Wer sich selbst vernachlässigt, braucht zunächst Ideen zu „Wie will ich was mit der freiwerdenden Zeit gestalten?“ ehe das Abgeben von Aufgaben dauerhaft funktioniert.
Coaching ist mithin eine Maßnahme zum Ausbau persönlicher Kompetenzen, um Rollensicherheit oder -klarheit sowie Kompetenzen auszubauen. Wer diesen Irrtum auflöst, hebt zugleich die Akzeptanz von Coaching im eigenen Unternehmen.
Was kann Coaching?
Dies führt dazu, dass der Coachingerfolg nicht im Fehlen eines Defizites gemessen werden sollte. Vielmehr sorgen Rollen- und Entscheidungsklarheit sowohl für positive Veränderungen als auch für Nebenwirkungen. Das sagen Kunden über die Wirkung:
- „Das bewirkt, dass ich mich auf »Eisflächen« begebe, um die ich bisher einen Bogen gemacht, mich nicht raufgetraut habe.“
- „Manchmal sind die Inhalte durch die eigene Betroffenheit sehr tief gegangen. Ich wurde darauf gestoßen, mich mit Menschen auf einer neuen Ebene auseinanderzusetzen.“
- „Ich habe eine feste und positive innere Haltung gegenüber anderen Menschen und Situationen entwickelt und bin gelassener geworden. In Grenzsituation agiere ich nun sensibler und mutiger. Ich denke mehr in Lösungen und hinterfrage, warum die Menschen in diesem Moment so sind.“
- „Genial ist die Verbindung zwischen Teamentwicklung (WIR-Gefühl) und persönlich auf jeden einzelnen Mitarbeiter zugeschnittene Lösungen. Es fördert das eigenständige Ausarbeiten von neuen Lösungswegen und Konzepten im Team. Gemeinsam entsteht ein außerordentlicher Motivationsmoment, konkrete Handlungen für das alltägliche, erfolgreiche Arbeiten aufzunehmen und umzusetzen.“
- „Das Coaching war gleichzeitig unmerkbar und effizient. Es vermittelte mir den Eindruck (der möglicherweise gewollt war) auf alle Erkenntnisse beinahe selber gekommen zu sein.“
Wie funktioniert Coaching?
Erlebnisaktivierung ist die zentrale Grundvoraussetzung für das Gelingen von Coachingprozessen. Die neuere Hirnforschung zeigt, dass die Relevanz von Erkenntnissen für unser Gehirn signifikant steigt, wenn sie an starke emotionale Erfahrungen gekoppelt sind. Werden auslösende Situationen geschaffen, setzt das menschliche Gehirn einen unbewussten Anker. Im Folgeschritt werden langjährig eingeschliffene Verhaltensmuster erst dann dauerhaft aufgegeben, wenn das veränderte Verhalten regelmäßig erprobt und zugleich mit positiven Emotionen belohnt wird.
Erlebnisaktivierung im Coaching kann z. B. in Form von Rollenspielen, Aufstellungsarbeit oder Visualisierung erfolgen.
Grundlage eines erfolgreichen Coachings ist demnach neben der konsequenten Lösungsorientierung der Einsatz von erlebnisaktivierenden Methoden.
Wie lange dauert Coaching?
Es gibt verschiedene Formen, Coaching zur Personal- und Führungskräfteentwicklung einzusetzen:
- kurzzeitig für anstehende Entscheidungen oder Konfliktsituationen – kurzzeitig bedeutet hierbei die Dauer von einer bis zu acht Stunden
- mittelfristig für grundlegende Verhaltensänderungen wie den Umgang mit der Zeit – im ersten Schritt erfolgt zumeist eine Kurzzeitintervention, der eine längere Phase der Praxisreflexion mit kürzeren Kontakten folgt
- dauerhaft zur regelmäßigen Reflexion des Führungsverhaltens – z. B. in Form von 2-4 Terminen pro Jahr, in denen aktuelle Anliegen und/oder strategische Themen reflektiert und bearbeitet werden
Am Ende sollte der Coach stets das Ziel verfolgen, sich selbst überflüssig zu machen.
Was sollte ein Coach können?
Vielfach nehmen Auftraggeber an, der Coach muss über große Nähe zur Branche o. ä. verfügen. Dies ist mitunter sogar kontraproduktiv. Professionelle Coaches sollten einerseits in der Lage sein, an die berufliche Realität des Gegenübers anzuschließen und zugleich offen zu sein für die individuellen Bedürfnisse und Anliegen des Gegenübers. Dies erfordert v. a. die Fähigkeiten zur Beziehungs- und Kommunikationsgestaltungen sowie zur Selbstreflexion (Wo sind meine eigenen Verführungsknöpfe und wer kann sie wie drücken?), um einen Coachingprozess im Spannungsverhältnis zwischen Nähe und Distanz lösungsorientiert zu gestalten. Lösungsorientierung ist dabei eine Haltung, die aus dem systemischen Beratungsansatz stammt. Systemische Coaches wissen, dass die richtige Frage oder Intervention (also Methode) im Prozess entsteht, wenn die Haltung stimmt.
Notwendig ist zugleich die humanistische Haltung zum gegenüber, dass dieser Experte für seine Situation ist und somit die Lösung bereits in sich trägt. Nur wer von den Möglichkeiten und der Entwicklungsfähigkeit anderer überzeugt ist, wird Menschen coachen können.
Wie wird man Coach?
Die Berufsbezeichnung Coach ist in Deutschland noch immer ungeschützt. Somit ist der Markt ausgesprochen heterogen. Dies gilt gleichermaßen für Coachingausbildungen.
Eine qualitativ wertvolle Ausbildung sollte keine reine Methodenschule sein. Vielmehr steht die Haltung als Coach im Vordergrund. Haltung und Methoden sowie das konkrete Erleben deren Wirkung und die Reflexion der eigenen Person bilden den Kern einer fundierten Ausbildung.
Eine Ausbildung sollte sich über einen längeren Zeitraum erstrecken, um Inhalte wirken und die Persönlichkeit wachsen zu lassen, in kleiner Gruppe erfolgen und von Trainern durchgeführt werden, die sich selbst im Coachingalltag beweisen. Qualitativ hochwertige Ausbildungen bieten zudem eine Mischung aus unterschiedlichen „Schulen“ statt sich auf einen Methodenansatz zu beschränken, so dass mit einer Ausbildungspräsenzzeit von 25 Tagen und mehr auszugehen ist.
Wie erfolgreich sind unternehmensinterne Coaches?
Für viele Unternehmen macht es durchaus Sinn, eigene Coaches in der Personalentwicklung auszubilden. Konfliktberatungen, Moderationen, Teamentwicklungsprozesse u. ä. können häufig über eine solche Ressource kostenneutral und zeitnah abgebildet werden. Erst wenn die z. B. Interessenskonflikte oder Rollenirritationen bei den Beteiligten entstehen, lohnt sich das Engagement eines externen Coaches. Bei dessen Auswahl hat ein unternehmensinterner Coach die Vorteile
- die Auftragsklärung fundiert vorzubereiten
- eine professionelle Coachauswahl vorzunehmen
Die Investition in die Ausbildung der eigenen Personalentwicklung (oder die eigene Unternehmerperson) reduziert somit spätere Fehlinvestitionen oder teurer Prozessumwege.
Derzeit wird Coaching zwar immer wieder als Personalentwicklungsmaßnahme diskutiert, jedoch nur von 2% der Führungskräfte in deutschen Unternehmen genutzt. Hier sind Coaches nicht nur gefragt, Irrtümer und Mythen aufzulösen, sondern zugleich für ein flächendeckend professionelles Profil zu sorgen. Denn nicht alles, was sich am Markt und im Einsatz Coaching nennt, verdient diesen Namen tatsächlich.
Coaching als Methode nutzen wir in der Manufaktur für Wachstum in all unseren Prozessen, um Einzelpersonen, inbesondere Führungskräfte und Unternehmer, Teams oder ganze Systeme zu lebendigen Lösungen zu begleiten. Herzlich Willkommen.
Kommentare
Sidebar
Bloginfo
Im Unternehmerblog finden Sie als Träger unternehmerischer Verantwortung Anregungen und Bedenkenswertes rund um die Themen Unternehmenskultur, Führung und Teamentwicklung. Zudem liefern wir Hinweise auf beachtenswerte Links im Netz, lesenswerte Bücher sowie Inspiration zum Denken und Handeln. Wir freuen uns über Leser, die sich zum Dialog aufgefordert fühlen, kommentieren oder weiterempfehlen.
Autor
Stephan Stockhausen
Veröffentlicht
15. März 2011
Kategorien
- Coaching-Video 27. Februar 2012
- Die Coachinginflation 25. Januar 2012
- Das überschätzte Bewusstsein 05. Januar 2012
- Die Macht des Unbewussten 03. Januar 2012
- Klient und Kunde 27. Juni 2011
- Was Sie im Coaching wissen sollten 22. März 2011
- Den König coachen 01. März 2011
- Worauf es bei der Coachauswahl ankommt 03. Januar 2011
- Was eine Coachingausbildung bringt 19. September 2010
- Online-Coaching 10. Mai 2010