Was Sie im Coaching wissen sollten
Coaching soll Wahrnehmungsschranken aufheben, zur Entwicklung anregen, unbewusste Muster hinterfragen. „Passen“ die unbewussten Muster von Coach und Gesprächspartner allerdings zu gut zueinander, erleben beide Parteien zwar Bestätigung und schmoren zugleich im eigenen Saft.
Klassische Fallen können demnach sein:
- Einem Alkoholiker ist nichts wichtiger als die nächste Flasche Wein. Wer das Beschaffungsproblem löst, ist für ihn die kompetenteste Unterstützung. Coaching sollte hinterfragen, ob das wahrgenommene Problem nicht Ausdruck eines unbewussten und entwicklungsfähigen Musters ist. Gerade Führungskräfte suchen gerne Coaches, die Erfüllungsgehilfen sind. Dabei werden langfristige Schieflagen jedoch außer Acht gelassen.
- Der Unterschied zwischen „Ich will sein…“ und „Ich will wirken…“ ist Ausdruck der tatsächlichen Veränderungsbereitschaft und Offenheit für das Durchbrechen von Mustern. Unbewusst wirken neben der Kraft, die Veränderung wünscht, eben auch bewahrende Kräfte. Das äußert sich dann in „Durchsetzen und beliebt bleiben.“, „Grenzen setzen, ohne Nein zu sagen.“ oder „Delegieren und zugleich die Kontrolle behalten.“ Coaching dient jedoch nicht allein dem Perfektionieren eines Bewältigungsmusters.
- Viele Menschen meinen, sie müssten nur hart genug zu sich sein, um weiter zu kommen. Dies wirkt jedoch destruktiv gegen sich selbst. Anteile der eigenen Person zu bekämpfen, abzuspalten oder auszumerzen mag zwar als Willensstärke gelten, dient jedoch kaum der psychischen Gesundheit. Professionelle Coaches gehen diesen Weg nicht mit.
- Das Beziehungsmuster zwischen Auftraggeber und Coach sollte ab und an gemeinsam reflektiert werden. Schwierig sind Beziehungsdynamiken, in denen sich beide entweder in ihrem Denken und Bewerten unbewusst zu einig sind oder aber zu gegensätzlich und der Coach in die Rolle des Anleiters rutscht.
Daher empfiehlt sich folgende Checkliste vor, während und nach dem Coaching:
- Wie prüft Ihr Coach, ob Coaching überhaupt (noch) angezeigt/passend ist?
- Wie unabhängig und frei fühlt sich Ihr Coach, um ggf. auch Ihren Auftrag abzulehnen?
- Wie hinterfragt Ihr Coach Sinn und Zweck Ihrer Ziele und stellt diese wertschätzend in Frage?
- Wie macht Ihr Coach Sie auf die „Veränderungskosten“ bzw. die Reaktionen der Umwelt aufmerksam?
- Haben Sie oder Ihr Coach die Kontrolle in den Gesprächen?
- Wie unterstützt Ihr Coach Sie, um sich auch auf unangenehme Erfahrungen und Gefühle einzulassen?
- Wie haben Sie geprüft, ob Sie bereit sind, sich wirklich auf Neues einzulassen?
- Wie sehr sind Sie bereit, Ihr Verhalten, das bis jetzt auch zu Ihrem Erfolg beigetragen hat, in Frage stellen zu lassen?
- Wie bewusst ist Ihnen, dass Veränderung bedeuten kann, aus dem Gleichgewicht zu geraten und wie gehen Sie damit um?
- Wie sehr ist Ihr Coach mit sich im Reinen? Was will er Ihnen beweisen?
- Wie macht Ihr Coach Sie darauf aufmerksam, dass Sie sich selbst beschuldigen oder einfach nur klagen?
- Wie fordert Ihr Coach Sie auf, sich auch mit den Seiten Ihrer Person zu beschäftigen, die Sie bestenfalls im stillen Kämmerlein zeigen wollen?
- Wie viele andere Coaches haben Sie sich vor dem Coaching angeschaut? Auf welcher Grundlage basiert eine Empfehlung?
- Wie sehr sind Sie gefordert, aus Erkenntnissen konkrete Umsetzungsschritte zu erarbeiten?
- Wie werden Sie mit „Umsetzungsschwierigkeiten“ konfrontiert?
- Wie gut trennt Ihr Coach zwischen beruflicher und privater Ebene?
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Autor
Stephan Stockhausen
Veröffentlicht
22. März 2011
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