Warum “Warum”?
Da wird der Ingenieur direkt widersprechen. Ohne die Frage nach der Ursache käme man in keiner Fehleranalyse weit und könne somit auch keinen Fortschritt entwickeln. Ein ITler wird wohl ähnliches sagen, möglicherweise auch ein Handwerker.
Nun arbeiten diese Menschen ja eher mit Dingen/Maschinen. In der Arbeit mit Menschen, also der Beziehungsgestaltung erscheint mir „Warum?“ im Grunde völlig unbrauchbar. Eigentlich sorgt sie für mehr Schaden als Nutzen.
Warum?
;-)
Die implizite, unbewusst wirkende Botschaft ist hinter einem „Warum“ häufig: „Ich bin unzufrieden und will eine gute Erklärung oder Entschuldigung hören.“ Und so führt die Frage zwischen Menschen in ein (unbewusstes) Spiel um eine adäquate Erklärung zurückliegenden Verhaltens. Das ist zwischenmenschliches Gift.
Gerade weil die Frage in die Vergangenheit führt, bringt sie so wenig für die Zukunft. Sie ist rückwärtsgewandt. Ja klar, jeder kann aus Fehlern lernen. Das geht aber besser mit „Was wäre anders gegangen?“
Wenn ich herausfinden will, wie mein Gegenüber eine Situation in seiner Wahrnehmung interpretiert, hilft mir die Warum-Frage auch nicht weiter. Um Absichten (also Motive) hinter einem Verhalten zu verstehen, hilft die Frage „Wozu?“ um einiges mehr.
Wenn Menschen erschüttert sind, taucht die Warum-Frage auch immer wieder auf. Das Nicht-Finden einer Antwort verstärkt das erlebte Unheil eigentlich nur. Auch hier könnte „Wozu?“ hilfreicher wirken. Und sei es nur, um für sich selbst einen (tröstenden) Sinn eines Unheils zu konstruieren.
„Warum?“ bringt also bestenfalls die Antwort auf „Was hast du dir dabei gedacht?“, während „Wozu?“ Antworten liefert zu „Was willst du eigentlich bezwecken?“. Letzteres führt nach vorne (auch wenn noch Diskussionsbedarf ist). Warum also noch „Warum?“ nutzen?
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Autor
Stephan Stockhausen
Veröffentlicht
01. April 2011