Vom Zeitmanagement zur Selbstführung
Zeit lässt sich nicht managen. Sie vergeht. Und mit ihr vergehen wir selbst. Daher kann das eigentliche Ziel doch nur sein, sich selbst zu führen und zu einem bewussteren Umgang mit der eigenen Energie (und damit auch Zeit) anzuhalten.
Zeit ist ja vermeintlich Geld – dagegen besagt ein chinesisches Sprichwort, dass eine Unze Gold nicht eine Minute Zeit aufwiegen könne. Es ist also eine Frage der persönlichen Werte, wenn Menschen sich gegen einen selbstbestimmten Umgang mit der Zeit entscheiden und sich allerlei Zwängen (die zumeist persönlichen Glaubenssätzen entspringen) unterwerfen. Umgekehrt gewinnen diejenigen mehr Lebensqualität, denen der souveräne Umgang mit ihrer Zeit gelingt.
Lebensqualität gewinnen auch diejenigen, die ihren eigenen Biorhythmus achten und zudem Muße genießen und Augenblicke genießen. Dabei hilft manchmal ein kurzer Szenenwechsel, z. B. bei einem kleinen Gang in den Park oder eine Tasse Kaffee im Lieblingscafé. Hier kann das Verlangsamen der Wahrnehmung, das Beobachten von Details oder kleinen Veränderungen zu einem bewussten Verlangsamen der inneren Uhr in aller Betriebsamkeit führen.
Und dies sorgt zugleich wieder für die Fähigkeit, sich erneut zu konzentrieren, statt im Stress „heißzulaufen“, wieder mit kühlen Kopf an Aufgaben heranzugehen. Der vermeintliche Zeitverlust durch diese Auszeit, wird damit letztlich wieder zum Gewinn. Ähnliches gilt, wenn sich die Mähr vom Multitasking ebenfalls endlich in Luft auflöst und Menschen wieder nacheinander Dinge angehen, statt alles gleichzeitig anzupacken.
Letztendlich gelingt Selbstführung erst dann, wenn Sie bereit sind, Entscheidungen zu treffen. Ein Beispiel: Ihr Vorgesetzter (oder ein Kunde) erwartet noch heute die Übersendung einer Präsentation. Es ist bereits 17 Uhr und um 18 Uhr erwartet Sie ein Freund zum gemeinsamen Sporttermin. Was tun, um dem Zeitdruck zu entgehen (schließlich steht die Präsentation erst im Rohzustand)? Fragen Sie sich selbst: Muss die Übersendung der Präsentation jetzt sein? Ja? Ist sie Ihnen auch wichtiger als Ihr wartender Freund? Sind Sie notfalls bereit, die Folgen des Aufschiebens hinzunehmen?
Sie merken: nicht die knappe Zeit Ihr Problem ist, sondern eher ein Glaubenssatz oder unbewusste Befürchtungen. Dem können Sie sich stellen und Ihren eigenen Wertekompass ausrichten. In jedem Fall ist es Ihre Entscheidung, was Sie tun oder lassen. Und Ihre Entscheidung ist immer Ausdruck Ihrer Werte. Wenn Sie wissen, was Ihnen wichtig ist, haben Sie auch eine Entscheidungshilfe in schwierigen Situationen.
Nicht die Umstände oder andere versklaven uns, sondern das sind wir doch meist ganz allein ;-)
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Autor
Stephan Stockhausen
Veröffentlicht
14. Februar 2011