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Selbstlosigkeit versus Egoismus

Selbstlosigkeit versus Egoismus

Selbstlosigkeit kann den gleichen Spaß bewirken, den wir bei Schokolade oder Sex erleben. Ach ja?

Der Alltagsverstand meint es zu wissen: wer gibt, hat nachher weniger, wer sich zu wenig für sich selbst engagiert, überlässt anderen das Feld. Könnte der gemeine Egoist in uns meinen. Kurzfristig mag das auch stimmen, langfristig bleiben Egoisten auf der Strecke.

Empirische Untersuchungen weisen zugleich aus, dass diejenigen, die sich für andere einsetzen, in aller Regel zufriedener, erfolgreicher und gesünder sind. Kümmere ich mich also um das Glück anderer, sorge ich auch für das eigene Wohlbefinden und das mit Langzeitwirkung.

Damit soll dem Durchsetzungsvermögen, der Selbstsorge usw. nicht die Existenzberechtigung abgesprochen werden. Sie sind vielmehr Teil des Menschen und im Gehirn angelegt. Wir fühlen uns stolz, siegessicher, befriedigt, wenn wir eigene Ziele erreichen, Interessen durchsetzen, für uns selbst sorgen.

Die Natur verführt uns zugleich mit guten Gefühlen, wenn wir Selbstlosigkeit zeigen. Gehirnforscher haben festgestellt, dass Altruismus emotional in gleicher Form wirkt wie Lustgefühle (beim Essen oder mit dem Partner). Fairness und Hilfsbereitschaft fühlen sich gut an. Im gelebten Moment.

Und auch langfristig. Neurowissenschaftler fanden heraus, dass das Hirnsystem der Empathie ganz anders funktioniert als das strategische Gehirn – und nachhaltiger auf unseren Lebenserfolg Einfluss nimmt. Denn wer sich in sein gegenüber einfühlen kann, ist auch in der Lage für Vertrauen und Verständnis zu sorgen, von dem alle Seiten langfristig ausgesprochen profitieren. Nicht zufällig sprechen Zukunftsforscher vom Ende der Ichlinge und dem beginnenden Wir-Zeitalter oder die Generation V (Vertrauen, Verlässlichkeit und Verantwortung).

Leider sind Großzügigkeit, Großherzigkeit, Selbstlosigkeit usw. noch schlecht beleumundet. Es gilt als riskanter, häufig „uncool“, naiv, schwächlich…. Mag sein, v. a. so lange noch eher egoistisch geprägte Werte gelten. Ein jeder entscheidet selbst, für welche guten Gefühle sie/er Verantwortung übernehmen mag.

Zum Thema passen Erlebnisse der letzten Tage aus meinem Beratungsalltag, Zu welcher emotionalen Strategie sich die Belegschaft loyal verhalten möge, erläutert mir ein Unternehmerpaar mit direktem Bezug zum Kunden. Sie können ihren Lieblingskunden zeichnen, backen, vor dem inneren Auge filmen, ihn anhand lebendiger Beispiele benennen. Ihre Strategie dient dazu, dass dieser Lieblingskunde erlebt, was er sich wünscht und dies dankbar zurückmeldet. Eine starke, kundenorientierte Strategie leitet das unternehmerische Handeln.
An anderer Stelle erlebe ich ein Unternehmen, in dem sich die Strategie allein auf Umsatz und äußeres Wachstum beschränkt. Die emotionale Strategie ist Ich-bezogen. Und daraus entstehen gefährliche Fliehkräfte, die darin gründen, dass klar ist: hier ist man in erster Linie loyal zu den eigenen Interessen.

Werte wie Loyalität, Vertrauen oder Verantwortung lassen sich weder bei Kunden noch bei Beschäftigten kaufen. Sie leiten sich aus dem eigenen Handeln ab. Sie sind durch Verhalten erlebbar und wirken emotional. Und damit ist eine werteorientierte, d. h. emotionale Strategie langfristig viel notwendiger als jeder Businessplan.

Und nun: Welche Strategie darf sich Ihrer Loyalität erfreuen?

Kommentare

Dirk Schumacher am 22. September 2011:

Selbstlosigkeit versus Egoismus
Zwei Pole, zwischen die sich der Mensch hineinstellt. Und jeder Mensch versucht eine Balance dazwischen herzustellen.
Als Menschen der heutigen Zeit leben wir in einer Fremdversorgung - wir sind also darauf angewiesen, das andere für uns aktiv geworden sind (Lebensmittel, Kleider und andere Produkte und Dienstleistungen am Ende einer mehr oder weniger langen Wertschöpfungskette). Und im Rahmen unserer eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten versuchen wir unseren Teil in dieser Fremdversorgung zu erbringen. Das ist für mich ersteinmal Selbstlosigkeit in Reinform. Wir merken es blos nicht direkt, da die Wirtschaft uns einen Ausgleich in Form von Geld zur Verfügung stellt. Und der Blick auf das Geld verstellt uns die Sicht auf unser Dienen der Gesellschaft gegenüber, dadurch, dass wir bezahlt werden für unser Tun. Und dadurch, das die bezahlte Arbeit in unserer Gesellschaft der einzige Weg ist, Geld zu erhalten. Diese selbst auferlegten Zwänge befördern den Egoismus - immer mehr, immer weiter, immer höher - ICH bin der beste und unterwandern damit die im Menschen angelegten Mechanismen der Solidarität (siehe Griechenland).
Ich diene gerne, ich gebe gerne - solange ich es mir leisten kann.
Wenn meine eigenen Kräfte versiegen habe ich zwar niemand fremdes ausgebeutet - nur mich selbst.

Liebe Grüße

Dirk Schumacher
(01709620629)

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Autor

Stephan Stockhausen

Veröffentlicht

13. Juli 2011

Kategorien

Unternehmer