Schwanger und bestraft?!
Vor ein paar Tagen sah ich im ZDF im Magazin „Frontal 21“ einen Bericht über Mütter, die während der Schwangerschaft Schwierigkeiten mit ihrem Arbeitgeber bekamen. So berichtete eine Mutter, dass sie seinerzeit mit Beginn der Schwangerschaft die zuvor avisierten Karrierechancen wieder entzogen bekommen habe. Auch im 2. Fall habe es erhebliche Schwierigkeiten mit dem Arbeitgeber aufgrund der Schwangerschaft und der nochmaligen Mutterschaft gegeben.
Offensichtlich haben nach wie vor Unternehmen Schwierigkeiten damit, moderne Familienkonstellationen und die Bedürfnisse des Arbeitsalltages miteinander zu vereinbaren. Angesichts nicht nur der demographischen Entwicklung, sondern auch der Notwendigkeit qualifizierte Eltern in Unternehmen nicht nur einzubinden, sondern sie dauerhaft zu halten, erscheint mir dies ausgesprochen kurzsichtig.
Den Beitrag im ZDF habe ich mit einer kurzen E-Mail an die Redaktion kommentiert. Leider ist aus meiner Sicht versäumt worden, zumindest ein Beispiel zu präsentieren, in dem ein Unternehmen oder ein Unternehmer soziale Verantwortung in der Form trägt, als dass er als Gegenbeispiel zu den sicherlich skandalösen Beispielen wirken könnte.
Ich spreche hier aus eigener Erfahrung. So sind zwei meiner Kolleginnen in der „Manufaktur für Wachstum“ während ihrer ersten bzw. zweiten Schwangerschaft in das Unternehmen eingetreten. Dies erfordert von beiden Seiten, insbesondere in einem derart kleinen Unternehmen mit besonderer Kundenstruktur, ein besonderes Maß von Mut zum Risiko, Flexibilität und der Bereitschaft miteinander, Wege zu entwickeln, die abseits des üblichen sind.
In der Konsequenz zeigt sich immer wieder aufs Neue, dass es für beide Seiten eine Herausforderung ist, Anspruch an die Arbeit wie auch Anspruch an die Elternrolle und umgekehrt zufriedenstellend miteinander zu vereinbaren. So wird es z. B. immer wieder aufs neue Aufgabe, das stimmige Maß an inhaltlicher Belastung und Anforderung zu finden und seinen jeweils individuellen Weg in den Rollen Mutter und Berufstätige zu definieren.
Im Ergebnis sind wir alle bislang mit unseren Entscheidungen ausgesprochen zufrieden. Es gibt gelebte gegenseitiger Loyalität sowie eine gewachsene Wertschätzung für das jeweilige Engagement. Insofern bin ich überzeugt, dass auch andere Unternehmen, insbesondere kleine Unternehmen, durchaus in der Lage sind, flexibel und kreativ auf die Bedürfnisse von berufstätigen Menschen so zu reagieren, dass die Unternehmensbedürfnisse zugleich optimal bedient sind.
Was mir meine beiden Kolleginnen, die in Teilzeit tätig sind, regelmäßig vormachen ist, dass es seltener mehr Arbeitszeit benötigt, sondern oftmals einfach nur bessere.
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Autor
Stephan Stockhausen
Veröffentlicht
22. September 2011