Schland
Vom Fußball lässt sich prima lernen. Das Spiel fasziniert schon deshalb, weil es unendliche Parallelen gibt, die sich zum Leben ziehen lassen. 2010 schreibt Joachim Löw mit seinem Team jeder Führungskraft klare Botschaften ins Notizbuch:
- Vertraue der Intuition.
Ansonsten wäre Klose sicherlich kaum in die Verlegenheit gekommen, sein Trefferkonto zu erhöhen. - Schlachte heilige Kühe.
Ballack stand sicherlich lange für den einzigen Lichtblick im nachwuchsarmen Nationalteam. Inzwischen steht er für die alten Zeiten. Sein Fehlen ermöglicht erst den Teamspirit, der nun sichtbar wird. - Überlasse Verantwortung.
Ein Team braucht keinen Leader, sondern ein gemeinsames Ziel. Die Mannschaft ist in der Verantwortung, eine gemeinsame Idee vom Spiel auf den Platz zu bringen. Dies führt dazu, dass zwar jeder seine individuellen Möglichkeiten, jedoch im Sinne aller und des gemeinsamen Ziels einbringt. So etwas nennt sich Teamspirit und Lust am kollektiven Erfolg. - Zeige Vertrauen in Potenzial.
Thomas Müller ist das beste Beispiel für das, was passieren kann, wenn die Führung ohne zu zögern konsequent auf die Potenziale vertraut, die sie in einer Person entdeckt hat, fördert oder vermutet. - Begeistere dich für das Team.
Kritik erfolgt vertraulich als konstruktives Feedback. Ansonsten gilt es, sich für jeden Erfolg und Fortschritt zu begeistern und dies erkennbar werden zu lassen. Lob beflügelt. - Schaffe die richtigen Rahmenbedingungen.
Führung schafft Bedingungen, damit in idealer Form ein jeder seine Motivation und Fähigkeiten einbringen kann. Die Führungskraft ist nicht der beste Fußballer, aber derjenige, der die beste Idee vom möglichen Spiel seiner Mannschaft hat – und diese Idee auf den Platz bringt. - Nutze das Feedback.
Die Bilder von den Fanmeilen sollen die Mannschaft beflügeln. Diese Bilder sind nichts anderes als das Kundenfeedback der Mannschaft. Werden die Reaktionen auf das eigene Tun sichtbar, spürbar, erlebbar, dann steigt die Identifikation mit dem gesetzten Ziel und dem Team. - Die Vision ist mehr als ein messbares Ziel.
Die deutsche Elf hebt sich in einem ab: es geht zunächst um eine Spielidee und erst dann um das Ergebnis. So lange sie sich auf die Idee vom Spiel konzentriert, stimmt das Ergebnis von ganz allein.
Zum letzten Punkt gibt es interessante Worte von Cesar Luis Menotti, der die argentinische Nationalelf nach dem Fehlen bei der WM 1970 und lediglich einem Sieg bei der WM 1974 übernahm:
„Ich versuchte, die Spieler davon zu überzeugen, dass Fußball nicht nur auf Leistungsbereitschaft basiert. Bis dahin hatte der Fußball vor allem auf Taktik und Physis beruht. Aber für mich ist Fußball etwas Menschliches. All jene, die nur darauf aus sind, Spiele zu gewinnen, haben den eigentlichen Sinn nicht verstanden. Sie spielen in meinen Augen falsch.
Wenn jemand sagt, das einzige, was ihn interessiert, ist gewinnen, ist er ein Falschspieler. Denn sein Anliegen impliziert auf diese Weise immer die Möglichkeit des Betrugs. Wir waren in Gefahr, die Bedeutung des Wortes „Spiel“ zu entwerten.
Das Grundprinzip des Spiels ist die Freiheit. Man kann einen Fußballer nicht in ein Schema pressen, das nur vom Erfolg geprägt ist, denn es würde den Tod des Sports bedeuten.“
Bei diesen Worten denke ich an manches Unternehmen, dessen zentrales Ziel es ist, Geld zu verdienen. Ist dies wirklich das Grundprinzip von Unternehmen?
Menotti wurde übrigens 1978 mit dem Leitprinzip Freiheit Weltmeister mit den Argentiniern.
Kommentare
Sidebar
Bloginfo
Im Unternehmerblog schreibt Stephan Stockhausen über Erlebnisse und Bedenkenswertes aus seiner Arbeit als Unternehmerberater und Coach, weist auf bemerkenswerte Veröffentlichungen hin, inspiriert zum Denken und Handeln und freut sich über Leser, die sich zum Schreiben von Kommentaren und Rückmeldungen aktiviert fühlen.
Autor
Stephan Stockhausen
Veröffentlicht
04. Juli 2010
Kategorien
Kompetenzentwicklung, Verschiedenes
- Kann ein Flop zum Erfolg führen? 07. September 2010
- Anleitung zum Glücklichsein 23. August 2010
- Beruf und Berufung 15. August 2010
- Spiegelgesetz 10. August 2010
- Typische Führungsfehler 05. August 2010
- Die Kunst der Nichterreichbarkeit 26. Juli 2010
- Was der Chef nicht erfahren darf 25. Juni 2010
- Rede für Deutschland 20. Juni 2010
- Die Kopier-Verführung 18. Juni 2010
- Schachtzeichen 2.0 25. Mai 2010