Schachtzeichen 2.0
Nach dem beschriebenen Start am Samstag folgte gleich ein stürmischer Montag, an dem die gelben Ballone am Boden bleiben mussten. Auch heute sieht es am Himmel irgendwie nicht »gelber« aus. Hmm. Ich mache mich trotzdem mal auf den Weg in Richtung alte Heimat Wattenscheid.
Die bereits entdeckten Ballone im Bochumer Luftraum scheinen am Boden zu bleiben, also sichte ich zur Sicherheit noch einmal das Internet: doch, angeblich sollen alle wieder auf 30 Meter Höhe gestartet sein. Nun denn, ich sehe erst einmal – nichts. Während ich mich damit bereits abfinde, entdecke ich auf dem Weg nach Wattenscheid ein altes Zechengelände, deren gebäude sich für ein Fotoshooting anbieten. Irgendwann stehe ich auf der Rückseite des zentralen Gebäudes und entdecke – einen gelben Ballon. Allerdings etwas abgehungert und v. a. festgebunden. In den Nähe sitzt ind er Sonne eine in schwarz gekleidete Frau und wacht einsam vor dem Ambiente. Auf Nachfrage erklärt sie, dass Helium fehle und sie wohl bis heute abend die Stellung halten müsse. Die Technik des Ballons beherrsche sie aber auch nicht. Es fehle wohl an helfenden und wissenden Händen und auch an Material (Helium halt). Muss ich das sinnbildlich verstehen?
An der Zeche Holland spielt dann doch noch der Wind mit einem Ballon. Das versprochene Rahmenprogramm zu seinen Füßen: ein abgesparrter Bierwagen und ein Helfer, der auf einem Biertisch drei Kohlezeichnungen den zwei anderen Besuchern der Installation erläutert: »Das soll hier mal so ausgesehen haben. Obwohl das hier ein Bild von Ückendorf ist, aber das war wohl mal eine Anlage, Schächte 1 und 2 oder 5 und 6 oder so.« Zumindest kann er zuverlässige Angaben zum Ballon, dessen Maßen und Funktionsweise geben.
Tja, ein kurzer Ausschnitt aus dem Kulturhauptstadt-Alltag. Ob dieser repräsentativ ist? Jedenfalls ist wenig zu sehen von den Hochglanzillustrationen, die rund um Eröffnungen oder Starts präsentiert und produziert werden. Vielleicht findet die echte Kulturhauptstadt auch woanders statt? Oder es findet zwar Strukturwandel statt, aber keiner geht mehr hin?!
Wenigstens ein paar schöne Fotos sind entstanden, mal sehen, ob es eines in den nächsten Manufaktur-Kalender schafft.
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Autor
Stephan Stockhausen
Veröffentlicht
25. Mai 2010
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