Richtige Empörung?
Vor einigen Tagen äußerte ich mich im Blog zu der möglicherweise falschen Empörung über Interna der Biokette Alnatura (hierzu übrigens ein lesenswerter Artikel in brandeins). Keine zwei Tage später lese ich folgende Zahlen der Marktforscher von Gallup aus Potsdam:
- 23 % der Arbeitnehmer haben bereits innerlich gekündigt
- 66 % machen Dienst nach Vorschrift
- nur 11 % fühlen sich ihrer Firma stark verbunden und geben vollen Einsatz
Diese Zahlen finde ich kommentarlos vor. Hier wäre Empörung richtig angebracht gewesen. Nein, nicht über die undankbaren Arbeitnehmer unserer Republik, sondern vielmehr über scheinbar flächendeckend unzulängliche Arbeitsbedingungen. Nun weiß natürlich niemand, wer hier befragt worden ist, für viele kleinere Unternehmen können diese Zahlen nach meiner Erfahrung eigentlich gar nicht passen.
Dennoch ist es auffällig, dass
- noch immer eine der Standardfragen in Führungskräftetrainings lautet, wie man denn Menschen motivieren könne.
- bislang flexible Arbeitszeiten eher dem Wohl des Arbeitgebers denn der Angestellten dienen.
- die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine Utopie zu sein scheint.
- in umsatzorientierten Unternehmen noch immer der Kunde eher als zu melkende Milchkuh, denn als Partner gesehen wird.
- mir immer wieder Menschen begegnen, die in ihrem Beruf weit über ihre Grenzen gehen und deren einzige Anerkennung darin besteht, keine Kritik zu erhalten.
Wo bleibt die Empörung? Sie kommt wohl eher leise, aber doch gewaltig daher. Der perspektivische Mangel an Fachkräften ist für viele Unternehmen bereits spürbar und wird sicherlich in den nächsten 5 Jahren zum beherrschenden Thema. Bereits heute spürt dies z. B. die Tourismusbranche in Mecklenburg-Vorpommern, einem Bundesland, in dem 2400 Lehrlinge fehlen, Tendenz steigend.
Besonders deutlich werden den Wandel diejenigen Unternehmen spüren, die sich in den kommenden Jahren um die gut ausgebildeten jungen Fachkräfte bemühen werden, die mit dem Internet erwachsen geworden sind. In der aktuellen brandeins kann man diesen jungen Leuten bereits in den Kopf schauen. Dabei offenbaren sich Erwartungen an Arbeitsplätze, die vielfach noch utopisch klingen:
- Johannes Kleske: „Ich will den Sinn nicht in einer Weltreise nach der Rente finden, sondern täglich.“
- Jonathan Imme: Ortsunabhängiges Arbeiten, Räume für Spieltrieb, hohe Transparenz. Wir wollen wissen, welcher Kollege welche Visionen hat. Und wir wollen Mentoren statt Chefs. Man braucht Vertrauen, Freiräume und Sinnstiftung.“
Und wie sieht es bei Ihnen aus?
P.S.: Im Moment erfreut sich alternatives Wirtschaften offenbar besonderer Aufmerksamkeit: Neue Firmenphilosophie – Wohlstand ohne Wachstum
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Autor
Stephan Stockhausen
Veröffentlicht
06. April 2010
Kategorien
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