Richtig Loben
Als die Anfrage zum Thema „Loben Lernen“ kam, habe ich zunächst den Haken gesucht – aber es gab keinen. Im Gegenteil: die gesamte Führungsmannschaft einer Abteilung eines Mittelständlers wollte aktiv am Ausbau der Vertrauenskultur arbeiten und nahm daher das Feedback der Kollegenschaft ernst: Ihr lobt zu wenig!
Nun war sicherlich allen klar, dass es nicht um ein simples „Gut so.“ oder „Gut gemacht.“ o. ä. geht. Aufgesetztes Lob wirkt auf Dauer mindestens so demotivierend wie gar kein Lob. In letzter Konsequenz geht es sicher auch um mehr als nur das Loben – nämlich überhaupt die Arbeitsleistung wahrzunehmen, wertzuschätzen und dies dann auch auszudrücken. Selbst bei Fehlern oder unzureichender Leistung kann ein Feedback Vertrauen fördern statt zerstören.
Aus gegebenem Anlass daher hier ein kleiner Feedback-Knigge:
- Feedback sollte sich nicht allein auf Arbeitsergebnisse beziehen. Um Verhalten zu steuern und Ihrer Rückmeldung wirklich Kraft zu verleihen, sollte der Fokus auf dem Verhalten liegen, das zum Ziel geführt hat. Selbst wenn dann das Ergebnis am Ende nicht passt, dazwischen werden Sie Ihr Gegenüber vermutlich häufiger dabei erleben, „das Richtige“ getan zu haben.
- Sprechen Sie Feedback möglichst konkret aus. Beschreiben Sie konkret das Verhalten, auf das sich Ihr Feedback bezieht. Hier gilt: Beschreiben, nicht bewerten!
- Sprechen Sie über Ihr Gefühl zu diesem Verhalten. Bleiben Sie dabei bei sich. Denn Sie haben sich gefreut oder erleichtert oder entlastet gefühlt, Sie erfreuen sich am Ergebnis. Ebenso ärgern Sie sich, fühlen Sie sich hilflos, ohnmächtig o. ä. Wenn Sie anderen nur sagen, in welche Schublade Sie sie packen, kann Feedback zum Kampf werden.
- Lassen Sie erkennen, welches konkrete Verhalten Sie sich in Zukunft (wieder) wünschen und welche Unterstützung Sie bieten, dass dies funktioniert.
- Feedback sollte zeitnah erfolgen. Wenn Sie nur am Prozessende miteinander sprechen, entgehen möglicherweise beiden Seiten viele Gelegenheit, den Kurs zu bestärken oder zu korrigieren – und damit die Leistung effektiv zu investieren.
- Fragen Sie mehr als Sie sagen.
- Anerkennung und Wertschätzung drückt sich in vielen Verhaltensweisen aus und muss nicht zwingend das gesprochene Lob sein. Ansprechbar-Sein, Verantwortung übertragen, sich für eigene Fehler zu entschuldigen, Freundlichkeiten, ggf. auch kleine Aufmerksamkeiten (Kuchen statt Geld, Persönliches vor Scheinbarem) ist wirksamer und nachhaltiger als die dicke Prämie oder Belohnung.
Bei allen Methodentips bleibt am Ende jedoch der zentrale Hinweis, dass jeder Einsatz nur Fassade bleibt, wenn Ihre Haltung nicht stimmt.
- Müssen Sie sich zum Loben selbst nötigen?
- Ist nix gesagt schon genug gelobt?
- Muss man nicht immer auf die Fehler schauen, um besser zu werden?
Wenn Sie dies bejahen, arbeiten wir gern mit Ihnen an Ihrer Feedbackhaltung. Keine Sorge, das hat keinen Haken – außer dass es am Ende allen Beteiligten Spaß macht ;-)
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Autor
Stephan Stockhausen
Veröffentlicht
25. Januar 2012
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