Mythos Elevator Pitch
Beim Business-Speed-Dating wies die Veranstalterin noch einmal darauf hin: die ersten 20 Sekunden seien entscheidend. Umso wichtiger sei also, gerade mit einer Fahrstuhlpräsentation (neudeutsch Elevator Pitch) zu überzeugen.
Wie aber dorthin kommen? Gehört habe ich in den letzten Monaten (und auch am besagten Abend) immer wieder Kurzpräsentationen, die mehr oder weniger gelungen Attribute, die mein Gegenüber für sich proklamierte, auf den Punkt bringen. In weniger gelungen Fällen ist mein Gegenüber derart bei sich, dass ich zwar Biographisches oder Fachliches höre, meine Aufmerksamkeit jedoch rasch schwindet – der Erinnerungswert tendiert folglich gegen Null.
Dabei hat doch so mancher seine Hausaufgaben bereits gemacht: Was ist mir wichtig? Für welche Werte stehe ich? Was tue ich Besonderes? Das können etliche gut beschreiben. Allerdings habe ich entweder davon ganz eigene (und mithin verfälschende) oder überhaupt keine Bilder im Kopf. Und ohne (emotionales) Bild bleiben alle Worte leider nur Buchstabensalat.
Was es braucht, sind Geschichten. Wie unterfüttere ich mit lebendigen Geschichten, Bildern oder Überraschungen meine Selbstbeschreibung bzw. ersetze sie sogar? Ganz einfach: Wo werden meine Werte lebendig? In welchen (wahren) Geschichten werden sie spürbar? Welche Bilder transportieren welche Attribute?
Nehme ich mich selbst als Beispiel: Wenn mir wichtig ist, das eigentliche Kernproblem am Schopfe zu packen, die Stärken meines Gegenübers zu fördern und zu entwickeln, an seine Fähigkeit zur Entwicklung zu glauben und dabei emotional bewegend zu arbeiten, dann kann ich das so sagen. Entschieden habe ich persönlich mich für Folgendes: Wie meine Großväter, die Bergleute waren, gehe ich in die Tiefe und fördere Kostbares zu Tage.
Um psychologisch korrekt zu bleiben, soll nicht verschwiegen werden, dass unser Unterbewusstsein unser Bewusstsein viel stärker steuert, als dass eine ausgefeilte Wortwahl allein genüge. Die Gesamtkomposition muss folglich stimmen. Identität geht also vor Image. Identität zeigt sich in Auftreten, Verhalten, Mimik, Gestik etc. All dies wirkt in den ersten Sekunden viel stärker auf mein Gegenüber. Beim Speed-Dating entschied ich mich daher, die ersten 20 Sekunden damit zu „vergeuden“, meine Visitenkarte persönlich zu signieren.
Und wie sieht Ihr Elevator Pitch aus?
Kommentare
Stephan Stockhausen am 20. Juli 2010:
Frau Osterkamps Kommentar weist auf eine Anforderung hin, die im Blogbeitrag nur zwischen den Zeilen formuliert ist: Erfolgreich wird mein Auftreten nur dann sein, wenn ich authentisch bin.
Phrasendrescherei oder Maskeraden entpuppen sich schnell als solche und erst, wenn Herz, Seele und Leidenschaft erkennbar werden, eine echte Haltung sichtbar wird, bieten sich dem Gegenüber positive (wie auch negative) Angriffsflächen.
Sidebar
Bloginfo
Im Unternehmerblog finden Sie als Träger unternehmerischer Verantwortung Anregungen und Bedenkenswertes rund um die Themen Unternehmenskultur, Führung und Coaching, Hinweise auf bemerkenswerte Veröffentlichungen oder Videos sowie Inspiration zum Denken und Handeln. Wir freuen uns über Leser, die sich zum Dialog aufgefordert fühlen, kommentieren oder weiterempfehlen.
Autor
Stephan Stockhausen
Veröffentlicht
21. April 2010
Kategorien
- Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser?! 31. Januar 2012
- Die Coachinginflation 25. Januar 2012
- Ihr Gehirn bei der Arbeit 16. Januar 2012
- Überraschendes zur Motivation 09. Januar 2012
- Das überschätzte Bewusstsein 05. Januar 2012
- Die Macht des Unbewussten 03. Januar 2012
- Sinnlosen 21. Dezember 2011
- Der Fisch stinkt vom Kopfe 14. Dezember 2011
- Einfache Meetingregeln 06. Dezember 2011
- Ziel und Ergebnis 14. November 2011
Dr.Barbara Osterkamp am 19. Juli 2010:
ein erfrischender Kommentar zu all diesen Techniken, die das Wesentliche des Menschen übersehen: sein Herz und seine Seele. Stellen wir uns doch einmal Kommissar Maigret beim Speed-date vor: er würde die ganze Zeit nur nutzen , um seine Pfeife neu zu stopfen oder seinen Wein zu trinken.
Es ist erstaunlich, was man sich selbst als Coach und Trainer für Mumpitz verkaufen läßt.