Manufaktur für Wachstum

Moderner Diebstahl

Kaum hatte drei Segler die Idee zu recht unschönen Plastikschuhen, die sich dennoch wie geschnittenes Brot weltweit verkauften, schon gab es die ersten Imitate zu günstigeren Preisen. Ebenfalls aus der Schuhszene kommt meine Beobachtung, dass der MBT-Idee schon die ersten Nachahmer gefolgt sind.

Beispiele wie diese gibt es viele, große Marken „leiden“ mehr oder weniger an der Flut meist billigerer Imitate. In unserer Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft mit der Transparenz des Internets gibt es aber noch eine andere Form des modernen Diebstahls – nämlich des geistigen Eigentums.

Den Brückentag habe ich mal wieder genutzt, um zu schauen, was die Marktbegleiter so treiben. Besonders auffällig ist dabei ein Coach für Unternehmer aus dem Süddeutschen. Schaut man etwas genauer hin, sieht man, wo gnadenlos abgekupfert wurde – in Inhalt, in Sprache, in Vokabular und im strategischen Vorgehen. Legt man die ein oder andere weitere Internetseite (inkl. der eigenen) daneben, erkennt man rasch, wie sich jemand aus allem das Beste zusammensucht und daraus vermeintlich was eigenes produziert. Nun ja.

Nun mag man darüber streiten, ob dies geistiger Diebstahl oder nicht auch eine Kreativleistung ist. Wozu eigentlich? Die Welt ist offen und transparent geworden; will ich mein geistiges Eigentum schützen, muss ich es wohl besser für mich behalten.

Ja, aber…stecken hinter Ideen nicht kreative Energieleistungen, sind Konzepte, Formulierungen, Strategien etc. nicht auch Werte? Natürlich, aber wem gehen sie verloren? Diebstahl wäre es ja, wenn sie dem Besitzer nicht mehr zur Verfügung stehen. Stattdessen wird die eigene Idee kopiert. Damit zeigt sich doch die Stärke einer Idee. Ist dann jemand erfolgreicher darin, sie zu verwerten, zeigt er doch lediglich die eigene Schwäche auf: aus der Idee Erfolg werden zu lassen.

Natürlich empfiehlt es sich, auf den eigenen Markenschutz zu achten. Dies geht aber leider nur bedingt. Und es kostet Energie. Energie, die fehlt, um entweder die eigene Idee zum Erfolg zu führen oder die nächste kreative Schöpfung zu entwickeln. Und da ist meine Energie doch viel besser aufgehoben. Ich persönlich lasse es jedenfalls zukünftig, mich bei anderen umzuschauen und darüber zu ärgern, was ich von mir dort wiederfinde oder gar nachzudenken, wie ich dem einen Riegel vorschieben kann.

Kreativität macht mehr Spaß! Und Herman Melville formulierte bereits: „Es ist besser mit Originalität zu scheitern als mit einer Imitation zu bestechen.“

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Autor

Stephan Stockhausen

Veröffentlicht

15. Mai 2010

Kategorien

Unternehmer, Verschiedenes