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Massenphänomen Burnout?

Am 8. März startet ein Wochenmagazin mit dem Titelthema „Die Burn-out-Gesellschaft“ in den Verkauf. Dem Untertitel, die Frage, ob der Job krank mache, begegne ich leider häufiger in der Arbeit als Coach. Daher bin ich gespannt, was dazu breitenwirksam publiziert wird. Und bin erstaunt – beim Kaufversuch am Freitag heißt es flächendeckend „ausverkauft“.

Was sagt das aus? Zunächst einmal: Volltreffer-Thema! Damit ist der Untertitel eigentlich schon beantwortet. Offenbar gibt es reichlich Menschen, die sich in ihrer Gesundheit durch den Job bedroht fühlen. Und dann gibt es auch noch die, die ernsthaft bedroht sind, es aber noch nicht spüren oder wahrhaben wollen.

So wie Frau M., die sich dann am Folgesonntag dem Interview des Tagesspiegels stellt und dabei Auskunft gibt über die Zeit ihres erlebten Burnouts. Offenbar hat das Thema inzwischen die bisherige Verortung verlassen: vom Ausgebranntsein in Berufen mit hohem ideellen Anspruch (also dem vorausgehenden „Brennen“) wie im Sozial- oder Gesundheitswesen zum Massenphänomen. Bisherige Definitionen werden sich daher vermutlich anpassen müssen.

Ausbrennen trifft heute offensichtlich immer mehr diejenigen, die den Rhythmus zwischen Anspannung und Entspannung verlieren, in der Dauererreichbarkeit leben oder selten das Gefühl erleben, etwas geschafft oder abgeschlossen zu haben. Wenn Rollengrenzen verwischen wie z. B. in der Unternehmerrolle wird schnell das Leben jenseits der beruflichen Rolle auf die zwei Urlaube des Jahres vertagt oder gar verbannt.

Wen wundert es also, dass sich der Anteil der Fehltage aufgrund einer psychischen Erkrankung in den letzten 20 Jahren verdreifacht hat? Über die Dunkelziffer mag man gern spekulieren, sind psychische Erkrankungen doch nach wie vor tabuisiert. So erklärt der stets belastbare Mitarbeiter sein Zittern und Schwitzen lieber mit einem grippalen Effekt als mit der gefühlten nervlichen Überforderung.

Spannend sind natürlich die Wege aus der Falle heraus oder um sie herum. Dazu könnten hier jetzt einige unserer Kunden etwas zu ihren ganz persönlichen Wegen sagen. Denn das sind die Wege immer: hochgradig individuell und persönlich.

Und dennoch gibt es sicherlich den ein oder anderen hilfreichen Hinweis, mit dessen Hilfe entweder Akutsymptome gelindert oder individuelle Strategien erarbeiten werden können. Dazu werde ich mich in Folgeblogs gerne noch einmal intensiver auslassen:

  • Die Kunst der Nichterreichbarkeit
  • Vom Zeitmanagement zur Selbstführung
  • Was wirklich wichtig ist
  • Tipps und Tricks im Umgang mit der eigenen Zeit
  • Wie Sie im Akutfall Stress abbauen können.
  • Ihren persönlichen Sklaventreibern auf der Spur…

Kommentare

Anke Dinsing am 23. März 2010:

Dieses Thema steht auch im Mittelpunkt einer gerade veröffentlichten Studie der Bundespsychotherapeutenkammer. Hohe Anforderungen am Arbeitsplatz (quantitativ und qualitativ) und ein geringer Gestaltungs- und Entscheidungsspielraum schaffen vermehrte psychische Belastungen, die zu psychosomatischen Störungen bis manifesten Erkrankungen führen. Wie lange kann sich die Wirtschaft, können sich Unternehmen die damit verbundenen Verluste leisten? Wann schmerzt es Strukturentscheider so sehr, dass sie über menschenwürdige Arbeitsbedingungen und menschenfreundliche Betriebsstrukturen nachdenken? Eigentlich gibt es keine neuen Erkenntnisse in dieser Hinsicht, alles ist schon erforscht, aber es ist wie im Straßenverkehr: Jeder glaubt, dass auch er noch diese Ampel “schafft”, die schon längst auf Dunkelorange gesprungen ist. STOP! Anhalten, Nachdenken und Neujustieren: Es ist so sinnvoll.

Christel Trimborn am 20. April 2010:

Hallo Herr Stockhausen,
Ihre Überlegungen bezüglich der überaus starken Nachfrage der Burnout-Geschichte im Focus möchte ich mit einer Beobachtung ergänzen, die, wie ich finde, Mut macht: Am 14.4 war auf kress.de zu lesen: “Top-Gewinner im IVW-Ranking ist erneut das Magazin “LandLust” mit einer verkauften Auflage von fast 690.000 Exemplaren, was gegenüber dem Vorjahresquartal eine phänomenale Steigerung um fast 50% bedeutet.” Was hoffentlich beweist, dass es immer mehr Menschen gibt, die sich mit Lust dem Landleben, dem Graben und Pflanzen in echter Erde, dem Genuss guten und einfachen Essens und der Ausübung traditioneller Handwerke hingeben. Oder zumindest dem Lesen darüber! Was kein Aufruf zum Verdrängen sein soll, sondern ein Vorschlag, sich einfach mal mit anderen Dingen zu beschäftigen, als mit den eigenen Problemen.

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Autor

Stephan Stockhausen

Veröffentlicht

14. März 2010

Kategorien

Unternehmer, Selbstführung, Verschiedenes