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Klient und Kunde

Klient und Kunde

Klient stammt aus dem Lateinischen. Übersetzt steht „cliens“ für Schützling oder Höriger. Komisch, dass sich dieser Begriff unter Beratern so hartnäckig hält.

Nomen es omen. Wieder aus dem Lateinischen. Übersetzt: Sprache ist verräterisch. Was sagen Berater / Coaches also über sich, wenn sie von „Klienten“ sprechen?
Im Grunde soll der Dienstleistungsempfänger einen professionellen Namen bekommen; zugleich ist die Bezeichnung Klient üblicherweise verbreitet in der Sozialarbeit, bei Rechtsanwälten / Notaren, Steuerberatern und Therapeuten. Dort drückt der Begriff auch stets ein Ungleichgewicht zwischen den Dienstleistungspartnern aus. Der Dienstleister ist entweder fachlich versierter oder wird wegen eines wahrgenommenen Defizits, das es zu „heilen“ gilt kontaktiert.

Coaching und systemische Beratung verfolgt einen anderen Grundansatz. Ich bin überzeugt, die Lösung steckt im Gegenüber. Es braucht lediglich meine methodische Kompetenz, um den Schlüssel zur inneren Weisheit zu finden. Damit begegne ich voller Respekt und Wertschätzung und letztlich auch im wörtlichen Sinne „auf Augenhöhe“.

Für mich ist dies mehr als professioneller Anspruch. Es ist gelebte Haltung. Und daher kann ich den Klientenbegriff schlichtweg in meiner Arbeit nicht benutzen. Er drückt Ungleichgewicht aus, schlimmstenfalls das Gefühl von Überlegenheit (oder dementsprechend des Gefühls, es besser zu wissen). Eine wichtige dauerhafte Frage für jeden Coach: Wie überlegen fühle ich mich meinen Gesprächspartnern?

Als Dienstleister finde ich den Begriff Kunde deutlich stimmiger. Dies beinhaltet zunächst, dass sich jemand freiwillig für eine Dienstleistung interessiert, die Wahl hat, ob und wo er kauft. Und damit erfordert es vom Coach die Demut vor der freien Entscheidung – aus meiner Sicht das Großartigste, was ich in Coachings erleben darf. Dass Entscheidungen vom Coach reflektiert werden, es Feedback oder erweiterte Blicke auf das System gibt, ist Teil der Dienstleistung. Und doch entscheidet mein Gegenüber selbst. Für sich. Daraus entsteht Selbstverantwortung, die in jedem Coaching wachsen sollte.

Am Ende wird der Kunde dann im ursprünglichen Wortsinn „Bekannter“: seiner selbst, seiner Wahrnehmungsmuster, seiner Entscheidungslinien, seiner Lösungen usw.
Zwischen Kunde und Klient zu unterscheiden mag man als Wortspielerei abtun. Wer eindeutig kommunizieren mag, kann darüber Haltung und Selbstverständnis durchaus differenzierter ausdrücken.

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Autor

Stephan Stockhausen

Veröffentlicht

27. Juni 2011

Kategorien

Coaching