Facelift
Durchdachte Markenführung drückt sich in durchdachtem Design aus. Daher ist die Wahl unserer Schrifttypen auch kein Zufall gewesen. Bislang konnten wir sie lediglich im Druckbereich, allerdings nicht online verwenden. Dies hat sich nunmehr geändert.
Da die beiden Schrifttypen Ausdruck unserer Grundhaltung sein sollen, stellen wir sie gerne nachfolgend vor.
Garamond
Die Schrift entstand während der Spätrenaissance. An Heiligabend 1534 erlebt der 35jährige Claude Garamond am Place Maubert in Paris den grässlichsten Moment seines Lebens. Mit Tränen in den Augen sieht er seinen Lehrmeister und Drucker Antoine Augereau auf dem Scheiterhaufen verbrennen, zusammen mit seinen Büchern.
Es sind turbulente Zeiten zu Beginn der französischen Renaissance, voller Glauben an den Geist, die Schrift, das Buch, den Humanismus. Die Bibel wird erstmals in der Volkssprache gedruckt, Plakate gegen die Heilige Messe sind Vorboten der Reformation, Luthers Thesen machen die Runde – religiöse Machtkämpfe kündigen sich an.
Die Pariser Grand-Rue Saint-Jacques war der Tummelplatz für aufgeschlossene Drucker und Verleger. Einer von ihnen war Antoine Augereau, der die Meinung vertrat:
_Neue Ansichten brauchen neue Schriften. _
Sein Lehrling Claude Garamond, der schon mehrfach sein Talent als Stempelschneider unter Beweis gestellt hat, nahm diese Herausforderung nach wenigen Berufsjahren an.
1530 schnitt er für den berühmten Drucker Robert Estienne eine eigene Cicero-Type, die große Bewunderung auslöste. Auf Anregung des Rektors der Sorbonne entwarf er einen kursiven Schnitt zu seiner Cicero von 1530. Dieser kursive Schnitt gilt unter Schriftgestaltern bis heute als der Inbegriff ästhetischer Vollkommenheit.
Frutiger
Anfang den 60er Jahren platzt der Pariser Flughafen Orly aus allen Nähten. Am 13. Januar 1964 beschließt der französische Ministerrat, auf dem dünn besiedelten Ackergelände nahe der Dorfschaft Roissy-en-France eine neuen Großflughafen zu errichten.
Als der Aéroport Charles de Gaulle im März 1974 eingeweiht wird, setzt auch das Leitsystem Maßstäbe. Typografen aus aller Welt wünschen sich die Schrift für Drucksachen. 1977 bringen die D. Stempel AG und Linotype die Frutiger auf den Markt. Sie wird rasch zum Bestseller und mehrfach erweitert, zuletzt 1999 vom Schöpfer selbst.
Wir alle spiegeln die Zeit, in der wir leben. Und – ob wir wollen oder nicht – prägen sie auch ständig mit, einige tun dies in besonderem Masse. Adrian Frutiger gehört ganz zweifellos zu ihnen. Aus seinem Bezug zur Moderne hat Frutiger nie ein Geheimnis gemacht. Der Aufbruch, der nach dem Ende des 19. Jahrhunderts und dessen historisierenden typografischen Wildwuchses einsetzte, war für ihn ein wichtiges Signal: Im Zentrum seiner Arbeit stand die Beschäftigung mit Schriften ohne Serifen, das heisst ohne jene Füsschen und Häkchen, die den einzelnen Buchstaben einen etwas verschnörkelten Charakter geben.
Der Schriftkünstler mit seinen klaren Gestaltungsprinzipien, seiner akribischen Sorgfalt, was das Detail angeht, und mit seiner fast spielerischen Leichtigkeit, auf neue Situationen einzugehen, hat noch eine weitere Dimension. Die Lust am Manuellen hat ihn die ganze Zeit über begleitet. „Alles Gegenwärtige ist auf der Erfahrung der Vergangenheit aufgebaut. Also ist das Zukünftige im Gegenwärtigen bereits vorhanden.“ ist ein zentraler Frutiger-Ausspruch.
Wenn Schriften unbewusst wirken und die beschriebene Tradition ausweisen, dann haben unsere Designer wahrlich perfekte Arbeit geleistet.
Viel Spaß am veränderten Schriftbild unserer Homepage.
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Autor
Stephan Stockhausen
Veröffentlicht
21. Oktober 2010