Die Tücke des Nachfolgeprozesses
Wer heute ein kleines oder mittelständisches Unternehmen übergeben will, sieht sich mitunter zwar der Schwierigkeiten ausgesetzt, einen geeigneten Nachfolger zu finden, kann aber auf ein gutes Angebot juristischer und steuerrechtlicher Beratung zurückgreifen. So hat sich die Dienstleistung Nachfolgeberatung etablieren können. Das ist gut, um die langfristige Perspektive von Unternehmen zu sichern.
Es wird zugleich übersehen, dass die eigentliche Gefahr im Nachfolgeprozess wie bei einem Eisberg unter der Wasseroberfläche lauert.
Zunächst einmal sollte es grundsätzliche und strategische Aufgabe eines KmU-Unternehmers sein, das Thema Nachfolge im Auge zu haben und frühzeitig vorzubereiten. Ansonsten stirbt das Unternehmen mit dem eigenen Ende der beruflichen Aktivität.
Zugleich gilt es, sich der hohen Wirkung der eigenen Person in einem kleinen Unternehmen bewusst zu sein. Als Unternehmer lebe ich Werte, Ziele und Sinn tagtäglich vor. Ich werde zum Kompass für Verhalten und Kommunikation – nach innen und außen. Mit der Zeit entwickelt sich so ein einzigartiger Fingerabdruck des Unternehmens, ungeschriebene Gesetze, Codes der Interaktion. Häufig genug wird darüber selten, und wenn dann meist nur dann, wenn es schief läuft, gesprochen.
Der Erfolg des gesamten Unternehmens ist damit schlussendlich stark an der Persönlichkeit des Unternehmers ausgerichtet; unbewusst hat er Menschen angezogen und engagiert, die dazu passen, Strukturen geschaffen, die das eigene Weltbild abbilden, Kundenbeziehungen nach seinen Werten gepflegt.
Im Nachfolgeprozess hat sich nun ein System von diesem Koordinatensystem zu lösen, einen neuen Kompass zu erlernen oder muss sich neu eichen. Das Bild für diesen Prozess ist unerheblich. Selten gelingt es Unternehmern jemanden zu finden, der eine Kopie ihrer selbst ist. So kann es im Nachfolgeprozess zu vielerlei unternehmensgefährdender Konflikte kommen, insbesondere wenn Unternehmer und Nachfolger eine zeitlang gemeinsam im Unternehmen arbeiten:
- Desorientierung der Beschäftigten durch widersprüchliche Aussagen
- Streit über strategische Entscheidungen
- Führungsdefizite bis zum Führungsvakuum
- Kundenirritation
- Vertrauenskrisen zwischen Loslassen und Übernehmen
Aus der täglichen Arbeit fallen mir hierzu eine Reihe von sehr konkreten Konfliktsituationen an, die für Beschäftigte, Unternehmer oder Kunden belastend sind und mitunter existenzielle Schwierigkeiten für einstmals erfolgreiche Unternehmen bringen.
Verträge, Steuern, Prozesse und Strukturen sind Oberflächenthemen, die es sicherlich auch zu beachten gilt. Im Kern wirken jedoch Tiefenthemen – Werte, Überzeugungen, Kommunikation und Interaktion. Unternehmensnachfolge gelingt dann, wenn sich Unternehmer diesem sensiblen Prozess mit Achtsamkeit nähern und von Profis über einen längeren Veränderungsprozess hinweg begleiten lassen. Dann gelingt auch der Schritt in die Zukunft und der Aufbau der nachfolgenden Erfolgsgeschichte des kMU.
Für Unternehmer stehen wir gerne als Dialogpartner für derartige Prozesse zur Verfügung.
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Autor
Stephan Stockhausen
Veröffentlicht
06. Februar 2012
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