Die Kopier-Verführung
Vor einigen Tagen schrieb ich einen Blogbeitrag zum modernen Diebstahl. Der Gedanke hat mich noch länger verfolgt und es gibt durchaus noch Standpunkte und Anregungen, die ich nachreichen will.
Eine beliebte Funktion scheint mittlerweile copy-paste sein. Eigentlich ist es Verschwendung geistiger Energie, sich nicht alles im Internet oder an anderen Stellen zusammenzusuchen und zu kopieren (in der Industrie betreiben dies chinesische Produzenten mittlerweile sehr konsequent). Wie will man aber mit dieser Strategie wachsen? Kopiere ich einen Gedanken, habe ich ihn nicht selbst gedacht. Es fehlt mithin das schöpfende Ereignis, die Lebendigkeit, das Verstehen, warum etwas so ist (oder formuliert, konzipiert, entwickelt ist) wie es ist.
Der Schöpfer hinterlässt seine Persönlichkeit in Ideen, Inspirationen, Konzepten usw. Das macht letztlich den Wert einer Idee aus, gibt ihr Einzigartigkeit, verleiht überhaupt erst die Möglichkeit, zu funktionieren. Je mehr Persönlichkeit (die sich aus Erfahrungen, Werten, Kreativität, Denken bildet) des Schöpfers enthalten ist, desto schwieriger wird das Kopieren. Die Kopie bleibt letztlich zweidimensional.
Wer kopiert kann zudem nur reagieren, ist passiv und läuft (manchmal jedem Trend) hinterher. Wer kopiert hinterlässt keine Spuren, sondern wandert auf bestehenden Pfaden, dies relativiert die Existenzberechtigung eines Angebots und sorgt für Austauschbarkeit.
Wer für etwas steht, Ecken und Kanten hat, sich zwar inspirieren lässt, dennoch eine eigene Linie fährt, Ideen kombiniert, anders arrangiert oder fortentwickelt, hat eine Chance auf ein Alleinstellungsmerkmal, auf Attraktivität und auf Gestaltungsmöglichkeiten. Originale haben am Markt übrigens nicht nur bei Gemälden einen höheren Wert als Nachahmungen.
Letztlich steckt in jedem Unternehmen Persönlichkeit. Nämlich in allen handelnden Personen, allen voran dem Unternehmer selbst. Diese Einzigartigkeit herauszuarbeiten und sich von anderen erfolgreichen Ideen zugleich inspirieren zu lassen, verschafft Dynamik und Wachstum. Probieren Sie es selbst.
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Autor
Stephan Stockhausen
Veröffentlicht
18. Juni 2010
Kategorien
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