Der Denkfehler bei Führungskräften
Auf einem unserer Werbeträger steht die Frage: Wo bleibt Ihre Freizeit und was ist Freizeit für Sie? Das Lachen darüber ist dem Leser schon mehrfach im Halse stecken geblieben, kaum dass ihm seine eigentliche Situation bewusst wurde. Frag ich mich ehrlich gesagt auch, ist die häufigste Antwort. Sollte man „Freizeit“ vielleicht allein wegen der ersten Silbe zum Unwort des Jahres vorschlagen?
Termin-, Leistungs- und Ergebnisdruck sind allerorten zu finden. Allein Prioritäten zu setzen, überfordert heutzutage bereits viele. Alles ist gleich wichtig und v. a. ist alles dauernd dringlich. In vielen Unternehmen ist Regelarbeitszeit damit eher die Ausnahme. Das kann jedoch kein Führungsziel sein und befördert auf Dauer chronische Überlastungssymptome bis hin zum Burnout.
Eine aktuelle Studie unter Aufsteigern in der IT-Branche hat bestätigt, wie gefährlich kurzfristiger Effizienzdruck ist. Nur 29% der Befragten könne nach der Arbeit abschalten und nur 37% glaubten, dass sie ihre Arbeit auf Dauer durchhalten. Wen wundert es, wenn sich zugleich mehr als die Hälfte durch Unterbrechungen und Zeitdruck gestresst fühlen und 36% belastet aufgrund ungeplanten zusätzlichen Arbeitsaufwandes. Alles Low-Performer oder Warmduscher?
Führungskräfte haben nicht allein zu fordern, sondern auch zu unterstützen. Dazu zählt auch, ein wachsames Auge auf die Gesundheitsgefährdungen zu werfen. Menschen, die dauernd gehetzt sind, selbst am Abend, am Wochenende oder gar im Urlaub erreichbar sein müssen (oder meinen, dies zu müssen), sind zu schützen. Die Arbeit muss prinzipiell um 5 getan sein.
Sind die mittel- bis langfristigen Ziele klar und gibt es die Erlaubnis, seine Tätigkeiten danach auszurichten und zu hinterfragen, fallen mitunter kurzfristige Stressmacher vom Schreibtisch. Die Frage muss häufiger lauten, wie sehr die aktuelle Aktivität der unmittelbaren langfristigen Zielerreichung dient. Wenn es denn eines gibt und nicht nur kurzfristige Ziele wie Quartalszahlen oder Jahressteigerungsquoten. Wie viele Mails, Meetings, Berichte etc. ließen sich damit wohl reduzieren?
Führungskräfte brauchen daher Weitsicht und den Mut, Entscheidungen zu treffen, wenn sie nötig sind. Und jeder einzelne für sich einen wachen Blick auf den Umgang mit der eigenen Zeit.
Eine gute Gelegenheit dazu ist der Zukunftsdialog „Zeit für Führung?!“
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Autor
Stephan Stockhausen
Veröffentlicht
31. August 2011
Kategorien
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