Den König coachen
Eine ganze Menge sogar. Sicherlich ist Stottern kein klassisches Coachingthema. Zudem sehe ich mich selbst kaum in der Rolle des Therapeuten. Und doch macht der Film zwei Grundprinzipien aus dem Coaching deutlich:
- Hab als Coach keine Angst vor deinem Kunden.
Falsche Scheu, zu viel Ehrerbietung, Rücksichtnahme auf den großen Namen, höfische Zurückhaltung – welchem König nutzt dies? Er wird zwar bestätigt, geschont und in Watte gepackt, aber lernen kann er dadurch nichts. Mit Respekt und Wertschätzung dennoch die nötige Portion Frechheit und Provokation in sich zu tragen und in die Beziehung zum Kunden fließen zu lassen, dient allen Beteiligten. Im Coaching benötigen Kunden mitunter genau dies. Endlich jemand, der die Dreistigkeit besitzt, das eingefahrene Weltbild (also die Betriebsblindheit) zu hinterfragen und/oder zu erschüttern. Vielen Führungskräften tut dies ungemein gut, denn leider gilt noch immer: Je höher man kommt, desto weniger weiß man, was wirklich läuft. Toll also, wie der Therapeut den König schlicht „Bertie“ nennt und damit Augenhöhe schafft – und diese für gezielte und zielführende Provokationen nutzt.
- Sieh als Coach das Thema hinter dem Thema.
Im Film sieht man, wie der König zunächst versucht, mit handwerklichen Mitteln dem Stottern zu Leibe zu rücken. Es wird als vermeintlich physiologisches Leiden gewertet. Sein Therapeut erkennt sehr zügig, hinter dem Problem des Stotterns liegt ein ganz anderes Problem: das des gestörten Selbstwertgefühls. Die Arbeit am Symptom nutzt er geschickt für die Arbeit an der eigentlichen Ursache. Das ist auch der Grundsatz des systemischen Coachings. Keine reine Symptombekämpfung (Lösung 1. Ordnung), sondern Identifizierung und Bearbeitung des grundsätzlichen systemischen Hebels. Klar kann ich mit jemandem an der Optimierung seines Zeitmanagements arbeiten – ich kann aber auch an den Glaubenssätzen „Alles muss über meinen Tisch.“ „Nur ich kann es.“ „Bei mir geht es am schnellsten.“ arbeiten. Und das sollte gutes Coaching auch tun.
Und was wollen Sie endlich mal beschwerdefrei aussprechen können?
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Autor
Stephan Stockhausen
Veröffentlicht
01. März 2011
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