Warum Stärken im Auge des Betrachters liegen

Sich seiner Stärken bewusst zu sein, ist gar nicht so einfach. Von außen betrachtet geht das oftmals leichter. Und die wahren Stärken zeigen sich auch erst im Auge des Betrachters.

Beitrag zur Blogparade der Kollegin Svenja Hofert.

von Stephan Stockhausen am 1. March 2016 in Umsetzungshilfen

Seine drei wichtigsten Stärken und drei größten Schwächen zu nennen, scheint noch immer beliebtes Spiel im Auswahlgespräch zu sein.
„Kommt darauf an.“ wäre eigentlich die passende Antwort.

Denn ob wir zeigen, was wir wirklich können, hat maßgeblich mit unserem Umfeld und unseren Beziehungen zu tun.
In meinem alten Berufsfeld als verbeamteter Bewährungshelfer war systembedingt meine Kreativität und mein Unternehmergeist ungefragt bis suspekt.
Das ist heute glücklicherweise sehr anders.

Karrieren auf einer Straße und bei einem Arbeitgeber verengen daher durchaus den Blick. Ob jemand wirkliche Potentiale abruft, könnte in Gefahr geraten.
Arbeitgeber- und Rollenwechsel z. B. auch in Form von Jobrotation erhalten nicht nur die Lernfähigkeit, sondern lassen Menschen Türen offen.
Immer wieder ist beispielsweise erstaunlich, was gerade in veränderten Situationen plötzlich an Kompetenzen sichtbar wird.

Zugleich sind wir in unserem Blick auf Stärken oftmals gefangen.
Wir schauen entweder auf herausragende (fachliche oder methodische) Fähigkeiten oder die vermeintlichen Erfolgszutaten für besondere Ergebnisse.

In einer sich wandelnden Welt wird Kollaboration mehr denn je eine tragende Säule sein. Und zwar weniger die betrieblich organisierte Form (Stichwort Regelkommunikation) als vielmehr die echte Kollaboration auf der Basis guter Beziehung.
Und in Beziehung zeigt sich eigentlich erst, was meine Stärken sind und was eher nicht.

Die zentrale Frage ist nämlich eigentlich: Welchen echten Mehrwert stifte ich?

Wenn ich anderen und/oder unserer Beziehung einen Mehrwert bringe, dann erst wird eine Stärke sichtbar. Die Nennung von Kompetenzen ist erst der erste Schritt, sozusagen die Zutatenliste.
Wenn ich beschreibe, was daraus entsteht, welchen Unterschied und welchen Nutzen für wen diese Zutaten bringen, dann benenne ich echte Stärken.
Und die werden dann aus dem Blickwinkel des Betrachters respektive des Nutznießers anders benannt als von mir selbst gedacht.

Beispiel: Als Stärken habe ich selbst lange bezeichnet, mit Fokus auf das gemeinsame Ziel einen Coachingprozess „on the fly“ zu entwickeln.
Das hat Neukunden eher irritiert. Wo ist das Konzept, der Plan, die Struktur? so die gängige Frage.
Inzwischen habe ich aus den Rückmeldungen herausgehört, welchen Nutzen das Kunden immer wieder bringt „Es ging um uns und unsere Anliegen und Themen.“ oder „Es blieb spannend, lebendig und immer am Puls unserer Gruppe.“ oder „Man hat gar nicht gemerkt, dass Sie da waren und wie von selbst sind wir ans Ziel gekommen.“
Erst in Beziehung zu meinen Kunden entwickeln meine Kompetenzen ihre Stärken.

Und so ist auch mein Blick als Coach auf Menschen, Teams und Organisationen. Was sie auszeichnet, gibt Hinweise auf ihre Stärken.
Erst in Resonanz zu den Empfängern bestimmter Kompetenzen, zeigt sich das, was ich Stärke nennen würde.
Und ausgeprägte Fähigkeiten zeigen sich darin mitunter auch als größte Schwäche. So erlebte ich neulich einen blitzgescheiten Manager, der ruckzuck im Denken und Lösen von Problemen war und damit regelmäßig Gesprächspartner abhing, überforderte oder von seiner Kompetenz abhängig werden ließ.

Wer also die Frage nach den Stärken gut beantworten will, sollte nicht allein auf seine Fachlichkeit und Ergebnisse schauen.
Echtes zwischenmenschliches Feedback hilft, seine Schlüsselkompetenzen für eine Welt der Kollaboration, Komplexität und des Wissens zu ermitteln. Und derartiges Feedback hilft v. a. dabei, herauszufinden, wie man selbst dazu beiträgt, dass andere bzw. das Wir über sich hinauswachsen.

Eine Schlüsselfähigkeit von Führungskräften und Coaches ist daher, in teilnehmender Beobachtung zwischen den Zeilen zu lesen, das Unsichtbare sichtbar werden zu lassen und zu reflektieren.
Nur dann gelingt es, dass Stärken bewusst genutzt und ausgebaut werden.

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