Unternehmenskultur als Gravitationskraft

Was ist Unternehmenskultur?

Mark Poppenburg von intrinsify.me stellt frisch aus der Feder drei Analogien für Unternehmenskultur vor und beleuchtet Stärken und Schwächen dieser Denkansätze.
Bilder/Analogien helfen ja oftmals, etwas zu verstehen, das entweder komplex oder schwer greifbar ist.

von Stephan Stockhausen am 14. January 2016 in Unternehmenserfolg

Mark Poppenburg von intrinsify.me stellt frisch aus der Feder drei Analogien für Unternehmenskultur vor und beleuchtet Stärken und Schwächen dieses Denkansatzes.
Den bisherigen Analogien mag ich seinem Wunsch entsprechend eine weitere zustellen und bin zudem gespannt, welche weiteren Analogien noch sichtbar werden.

Unternehmenskultur als Gravitationskraft

Seit Jugendzeiten spiele ich Fußball. Gern verwenden wir die Beschreibung, da spiele Mannschaft A gegen Mannschaft B.
Tatsächlich werden wir der Komplexität des Spiels jedoch gerechter, wenn wir darüber sprechen, dass beide Mannschaften miteinander spielen. Und zugleich verfolgt jede Mannschaft ein eigenes Ziel und hat dazu im Idealfall einen Matchplan, also eine spielprägende Idee / Haltung, aus der sich auch die Taktik im Sinne einer Strategie des Vorgehens speist.
Am sichtbarsten wird dieser Ansatz z. B. von Trainern wie Klopp oder Guardiola verfolgt.
Aber auch ihre Mannschaften spielen immer mit einer anderen Profimannschaft und die Kraft ihrer Matchpläne geht in Resonaz zu der Kraft des jeweils anderen Matchplans.

Diese Analogie lehnt sich an den Systemtheoretikern an, wonach es in jedem System immanente Regeln gibt.
Je bewusster sie reflektiert werden, desto bewusster kann Verantwortung übernommen werden, ob diese Regeln im Alltag beibehalten oder verändert werden.
Sie entstammen einer Systemlogik, die bislang zu Erfolg / Wohlbefinden beigetragen hat. Je größer die Organisation wird, desto selbstverständlicher und unverrückbarer erscheinen diese Regeln.
Verändern sich relevante Parameter in einem System, geraten Unternehmenskulturen unter Veränderungsdruck.
Generationenwechsel sind dafür typische Anlässe, in denen sichtbar wird, dass die Analogien Urwald, Brettspiel oder Schatten diesen Veränderungsdruck nur bedingt erklären.

Unternehmenskulturen wirken nämlich nicht allein für sich selbst und im luftleeren Raum.
Jede Unternehmenskultur interagiert im innen und außen mit anderen Kulturen. Kunden, Lieferanten, Medien usw. spielen mit.
Kulturen und Matchpläne sind eher eine Idee über das Selbstverständnis, wer man wozu sei und wie man am erfolgreichsten seine Aufgaben erledigt.
Sie entfalten damit anziehende wie abstoßende Kräfte, die wiederum auf andere Kräfte wirken, sich gegenseitig verformen usw.
Unternehmenskulturen zeigen sich in Beziehung und wirken dabei wie die Gravitationskraft in der Physik.

Mit diesem Bild wird die zunehmende Komplexität in Organisationen ebenso erklärbar wie die Schwierigkeiten in der Steuerung von kulturellen Veränderungsprozessen.
Die Logik dieser Veränderungen zeigt sich erst in der Wirkung auf Beziehung - der Menschen in der Organisation untereinander respektive zum Selbstverständnis sowie in der Beziehung nach außen, zu Marktbegleitern, Kunden und anderen Beziehungspartnern, in der Beziehung zum Bewerbermarkt usw.

Gravitationskräfte lassen sich damit über Beziehung und über Reflexion über Beziehung verändern:
Was wirkt tatsächlich wie?
Wie passt diese Wirkung zu unserem Selbstverständnis?
Wie müsste Handeln sein, damit es diesem Selbstverständnis in der Wirkung besser entspricht?
Das könnten beispielsweise Fragen dazu sein.
Die Antworten ermöglichen, Verantwortung zu übernehmen. Und zwar von den Menschen in einer Organisation, deren Handeln maßgeblichen Einfluss darauf hat, welche Kultur für andere erlebbar wird.

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