Immer schön sachlich bleiben

Woher auch immer die Parole im Berufsleben kommt - viele Menschen glauben, Konflikte seien zu lösen, wenn man schön sachlich bleibt und Emotionen vor der Tür lässt.
Dummerweise haben wir sie aber immer bei uns.

von Stephan Stockhausen am 24. February 2014 in Leadership

Karsten S. ist erfolgreicher Ingenieur und seit zwei Jahren Führungskraft. Seit einigen Monaten beschäftigt ihn ein Konflikt zwischen zwei Kollegen in seinem Team, der mittlerweile Auswirkungen auf das gesamte Team zeigt.
Im Coaching wünscht er sich Unterstützung, um den Konflikt anzugehen und sich dabei von seinen Gefühlen kein Bein gestellt zu bekommen.

Bei näherer Betrachtung wird sichtbar, wie sehr er selbst traurig über die Entwicklung ist und wie wütend es ihn macht, dass zunehmend mehr Teammitglieder in den Konflikt gezogen werden.
Außerdem ist er unsicher und ratlos, wie er sich in den Versuchen, ihn für eigene zwecke einzuspannen, taktisch richtig verhalten soll.
Außerdem leidet er darunter, dass sein Anspruch an ein harmonisches Miteinander an den beiden Kollegen scheitert - selbst das jährliche Weihnachtsessen mag er in diesem Jahr nicht organisieren.
Zugleich verbindet er mit einer Klärung aber auch Hoffnung auf Besserung - das seien doch schließlich beides erwachsene Menschen.

Den Klärungstermin habe er bereits angesetzt, nun will er sich wappnen. Wie kann ich mich von meinen eigenen Emotionen abgrenzen, die Situation sachlich halten, damit eine vernünftige Klärung entsteht?
So sein Coachinganliegen.

Mit dem von ihm benannten Emotionen, die er gern von sich fernhalten will, werden einige Schaumstoffbälle beschriftet.
Dann erhält Karsten S. an der Pinnwand eine rein sachliche Aufgabenstellung, die Konzentration erfordert: finden Sie zwischen zwei aufgehängten Bildern die 10 Unterschiede.
Während der Suche bewerfe ich die Pinnwand und Karsten S. mit den Emotionsbällen. Eine ganze Zeit schafft er es, sich zu konzentrieren, dann bricht er ab. Er könne sich nicht auf die Aufgabe konzentrieren, wenn ihm seine Emotionen um die Ohren fliegen.

Ausgesprochen wirkt dieser Satz auch auf ihn selbst.
Karsten S. zweifelt an seiner Strategie, rein sachlich bleiben zu wollen. Dies ginge wohl gar nicht, schließlich seien seine und die Emotionen der beiden anderen ständig mit im Raum.
Und auch den beiden Kollegen wird es wohl kaum gelingen, sich auf eine sachliche Klärung zu konzentrieren.
Da braucht es wohl eine andere Lösung, die erst die Emotionen und dann die Sache klärt.

Hierzu erarbeiten wir seine Moderatorenrolle. Gelingen kann sie nur mit seiner Haltung, das eigentliche Thema anzupacken und sich nicht auf die Sachebene zu retten.
Zur Erinnerung nimmt er einen der Emotionsbälle mit.

Zwei Wochen später kommt ein Anruf mit der entscheidenden Rückmeldung:
„Die beiden waren echt überrascht, als ich die emotionale Bedeutung ihres Konfliktes angesprochen habe. Dies hat sie ermutigt, an echter Verbesserung zu arbeiten. Jetzt sind sie zwar keine besten Freunde, aber es ist anders geworden und der Knoten scheint für alle gelöst. Jetzt kann ich auch das Weihnachtsessen organisieren.“

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