Führungsaufgaben

Wirksame Führung entsteht insbesondere daraus, sich nicht in Mikromanagement zu verzetteln oder in Stresssituationen selbst als Macher dazustehen oder als der beste Problemlöser im Raum zu gelten.
Effektive Führung bedeutet viel mehr, sich auf die zentralen Aufgaben der Führung zu fokussieren, wenngleich dies selten zu 100 % gelingen kann.

von Stephan Stockhausen am 19. November 2012 in Umsetzungshilfen

Effektive Führung orientiert sich zentral an folgenden Aufgaben:

Für Ziele sorgen

In Unternehmen ist eine Vielzahl von Zielen aufzufinden. Durchgesetzt hat sich an vielen Stellen das Management bei Objectives, d. h. das Führen mit persönlichen Jahreszielen. Dies führt mitunter dazu, dass neben den sogenannten Alltagsaufgaben (also der Stellenbeschreibung) explizite Sonderziele formuliert werden, die (im schlimmsten Fall) sogar Entgeltrelevanz tragen.
Effektive Führungskräfte setzen klare Prioritäten, so dass keine Nebensächlichkeiten blockieren.
Es braucht also große und bedeutsame Ziele, die das Unternehmen voranbringen. Insofern kann die Zielvereinbarung zum einen daran gekoppelt werden, noch einmal Klarheit über Visionen und Grundausrichtung sowohl des Unternehmens als auch der betreffenden Einheit zu sorgen (siehe Formel SWIFF).
Zum anderen kann diese jährliche Zielsetzung als Gelegenheit genutzt werden, systematisch zu entschlacken und zu verschlanken.
Gute Zielvereinbarungen orientieren sich an der Formel SMART und eigenen sich hervorragend zu regelmäßigen Feedbackschleifen. Sie bieten Möglichkeit, ein großes Ziel in mehrere Teilziele zu splitten und sich zu definierten Zeitpunkten miteinander über den bisherigen Weg und das bisherige Vorgehen auseinanderzusetzen. Dies hat den Vorteil, die einzelnen Definitionsaspekte des Ziels miteinander prüfen zu können.

Organisieren

Abläufe und Prozesse zu organisieren, gehört zu den selbstverständlichsten Aufgaben von Führungskräften.
Effektive Führungskräfte organisieren selbst und warten nicht darauf, dass sie von außen, d. h. durch andere oder durch die Umstände verändert werden.
Fredmund Malik hat hierzu drei Grundfragen des Organisierens formuliert:

  • Wie müssen wir uns organisieren, damit das, wofür der Kunde uns bezahlt, im Zentrum der Aufmerksamkeit steht und dort bleibt?
  • Wie müssen wir uns organisieren, damit das, wofür wir unsere Mitarbeiter bezahlen, von diesen auch wirklich getan werden kann?
  • Und wie müssen wir uns organisieren, damit das, wofür das Topmanagement bezahlt wird, von diesem auch wirklich getan werden kann?

Eine gute Organisation entwickelt eine Brücke zu diesen drei Fragen.

Entscheiden

Analog zum Axiom des Paul Watzlawick gilt auch hier: man kann nicht Nichtentscheiden, denn auch das Nichtentscheiden ist eine Form von Entscheidung und sorgt für die Entscheidung für den Status quo.
Hierzu sagte Georg Bernhard Shaw „Wer immer nur das tut, was er schon getan hat, wird auch immer nur das erreichen, was er schon immer erreicht hat.“.
Entscheiden ist damit eine wesentliche Führungsaufgabe.
Zugleich ist Entscheiden immer eine der kritischsten Aufgaben einer Führungskraft. 100%ige Sicherheit ist in Entscheidungssituationen selten gegeben. Die Qualität von Entscheidungen liegt in der Regel weniger im Tempo einer Entscheidung oder in der Quantität von Entscheidungen.
Gute Führungskräfte treffen wenige Entscheidungen, diese jedoch mit einer stimmigen Mischung aus Bedacht und Intuition.
Sinnvollerweise sind diejenigen Personen, die an der Umsetzung beteiligt sind und mithin als Experten eines Problems gelten, in die Entscheidungsentwicklung eingebunden. Dies fördert einen ganzheitlichen Blick auf Entscheidungssituationen und das vernetzte Denken (und damit eine Potenzierung der Lösungsmöglichkeiten).

Steuern

Controlling wird in vielen Unternehmen noch immer übersetzt mit der stumpfen Kontrolle von Ergebnissen. Controlling bedeutet jedoch vielmehr, die Umsetzung von Entscheidungen und Maßnahmen zu steuern, also zu überprüfen, an welchen Stellhebeln nunmehr aktiv anzusetzen ist.
Auch wenn Werte wie Vertrauen, Verantwortung und Wertschätzung hochgehalten werden, heißt dies nicht, dass Menschen in ihrem Tun nicht kontrolliert werden dürfen oder auch wollen. Es hilft vielmehr, regelmäßig zu überprüfen, ob und wie Entscheidungen umgesetzt werden, Maßnahmen greifen, Ziele nochmals überdacht oder verändert werden müssen. Dies ist zugleich ein Zeichen von Interesse, Verantwortungsbewusstsein und Präsenz.
Die ideale Form für effektive Kontrolle ist das Führen durch Fragen, denn mit den richtigen Fragen gelingt es, indirekt zu kontrollieren und Motivation zu erhalten. Diese Fragen sollten im Kern lösungsorientiert und offen sein wie z. B.:

  • Wie kommen Sie mit dem Projekt voran?
  • An welchen Punkten benötigen Sie von wem welche Unterstützung?
  • Wie kann ich Sie weiter unterstützen?
  • Was sind Ihre nächsten Schritte?
  • Zu welchem Zeitpunkt wollen wir welchen Meilenstein setzen?

Mitarbeiterentwicklung und -förderung

Der wirkliche Engpass in heutigen Unternehmen sind in der Regel Ideen, Wissen, Unternehmertum, Erfahrungen etc. der dort tätigen Menschen. Insofern sind es die Menschen selbst, die für die Wertsteigerung im Unternehmen sorgen, was dazu führt, dass Menschen heute nicht mehr als Kostenfaktor zu sehen sind, sondern zu Investoren werden.
Sie investieren ihre Energie in Richtung Problemlösungen, in Richtung Ideenentwicklung, in Richtung Kundenorientierung. Sie investieren zugleich ihre Energie in die Fähigkeit, langfristige Beziehung zu anderen aufzubauen, die von Vertrauen und Partnerschaftlichkeit geprägt sind, und sie investieren emotionale Energie in Form von Motivation und Begeisterung.
Das bedeutet zugleich, dass effektive Führungskräfte im Blick haben, dass Menschen mit und an ihren Aufgaben wachsen.
Dazu benötigen sie Anregungen, Gelegenheiten, Abwechslung, Herausforderungen, Problemstellungen, um ihre Komfortzone zu verlassen, Neues zu lernen, ihre eigenen Talente überhaupt zu entdecken.

Fatalerweise beschreiben mir Führungskräfte immer wieder, wie sehr diese zentrale Aufgabe hinter den erstgenannten zu kurz kommt. Sie erscheint fast als Luxusaufgabe, wenn denn mal Zeit dafür übrig ist.

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Leadership

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“Das ist ein echter Leader” - Lösungen für Führungskräfte

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