Der Problemfall

Angeblich soll es in jedem Unternehmen 10% Problemfälle oder Low-Performer geben. Wie Mut zur Wahrheit belohnt werden kann, zeigt dieses Fallbeispiel.

von Susanne Trepmann am 12. December 2012 in Praxisfälle

„Frau Trepmann, wir haben nun schon so viele Überlegungen angestellt… wir werden Herrn Müller (Name geändert) nicht los werden. Eigentlich wünschen wir uns jemanden Neues auf der Position.“
„Haben Sie über Ihre konkreten Gedanken und Überlegungen schon mal mit Herrn Müller gesprochen? Weiß er um die Ernsthaftigkeit seiner Situation?“
„Ich befürchte, nein.“

Die Geschäftsführerin und eine ihrer Führungskräfte saßen mit mir in einem Vorbereitungstermin für eine Teammaßnahme, als die Sprache auf einen einzigen Kopf im Team kam: Herrn Müller.
Aus der geschilderten Perspektive hörte sich die Situation mehr als festgefahren an. Herr Müller ackerte - ackerte - ackerte - und machte die Situation damit offenbar immer schlimmer. Nur bekam er bisher nicht die Chance, mit offenen und klaren Worten einen Spiegel vorgehalten zu bekommen.

Dieses Gefühl der ausweglos scheinende Situation überkam auch mich plötzlich: eine Geschäftsführerin, die mit der Verantwortung für das Unternehmen die effizienteste Entscheidung zu treffen hat - eine Führungskraft, der keine Handlungsideen mehr in den Sinn kamen - Herr Müller, der vor lauter Arbeitseinsatz bald krank werden würde.

Mir wurde klar, dass ich erst mit dem gesamten Team starten kann, wenn die Führungskraft und Herr Müller die Gelegenheit zum moderierten Austausch unter sich erhalten.
Können sich beide darauf einlassen? Wie wird Herr Müller alleine auf die Einladung in die Manufaktur für Wachstum reagieren? Was wird alles Ergebnis einer solchen Gesprächsmoderation sein: Herr Müller verlässt nach fünf Minuten geschockt den Raum? … Herr Müller bricht zusammen? … Die Führungskraft findet keine klaren Worte und kommt nicht auf den Punkt? … Herr Müller ist erleichtert und kann endlich beschreiben, wie es ihm geht? ….
All diese Gedanken gingen mir in der Vorbereitung auf diesen Freitagmorgen durch Kopf und Herz.

„Ich weiß zwar überhaupt nicht, warum wir uns hier zusammen setzen, aber ich bin offen und gespannt.“
Herr Müller blickte mir und seinem Vorgesetzten in die Augen und überraschte vom ersten Moment.
Wie kalt musste sich gerade für ihn dieses Wasser anfühlen UND er war bereit zu schwimmen. Ich war von Beginn an bewegt von diesen beiden Menschen.
Die kleine Wunschfee bekam Eintritt in unseren Raum und die beiden waren aufgefordert, ihre Traumvorstellung einer Zusammenarbeit zu erarbeiten:
Wie genau kann die Wunschvorstellung beschrieben werden? Woran wird erkannt, dass der Wunsch in Erfüllung gegangen ist? Was braucht es künftig, um diesem Wunsch im Alltag näher zu kommen?

Nach drei verflogenen Stunden war ein entscheidendes Flipchart „… künftig anders …“ entstanden und hierbei fanden sich kleine Vorhaben und große Absichtserklärungen.
Nicht nur die Sitzposition der beiden hatte sich in diesen drei Stunden mehr zueinander gerichtet - sie sprachen nun wieder miteinander und nicht mehr übereinander.
„Zwar bin ich noch vorsichtig mit dem, was wir uns nun alles vorgenommen haben, jedoch bin ich auch sehr freudig gespannt, was noch auf uns gemeinsam wartet!“
Damit entließ ich zwei deutlich gelöste Menschen, die wieder Freude aneinander entdeckt hatten…

Was mich am allermeisten berührt: es hat gehalten!
Nach sechs Monaten treffe ich beide im Rahmen der Teammaßnahme wieder und beide gehen offen auf mich zu und schildern begeistert ihre heutige Qualität der Zusammenarbeit.
Es hat nicht viel gebraucht - „einfach mal in Ruhe reden und sich zuhören, dass war´s!“

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